Gleichberechtigung und Emanzipation

Schein und Sein

Widerspruch gegen seine Entscheidungen lässt Torvald nicht gelten. Somit ist das Machtgefälle in der bürgerlichen Familie Helmer zwischen Mann und Frau sehr stark, von Gleichberechtigung kann in keinem Bereich die Rede sein. Nora zeigt sich ihm gegenüber unterwürfig, belügt ihn aber wegen Kleinigkeiten: „Wie könnte mir´s einfallen, etwas gegen deinen Willen zu tun!“ (S. 12).

Es ist Torvald zudem wichtig, nach außen hin zu zeigen, dass er die Kontrolle über seine Frau besitzt. Dazu gehört unter anderem, dass er sie beim Tadeln zwar „scherzend“ (S. 8) am Ohr packt, sie damit aber körperlich beeinflusst. An anderer Stelle greift er an ihr Kinn und macht ihr dadurch klar: „Nett – dass du auf deinen Mann eingehst? Nun, nun du kleiner Schelm, ich weiß ja, du meinst es nicht so.“ (S. 51). Er gesteht ihr keine eigene Meinung zu und kommentiert ihre Sorglosigkeit bezüglich des Schuldenmachens herablassend: „Nora, Nora, bist du eine Frau.“ (S. 9). Ebenfalls droht er ihr mit dem Finger (S. 11) und horcht sie aus, ob sie genascht hat. Nora spielt diese Rolle und lügt ihn an, aber Torvald lässt sie gewähren (S. 12).

Das Doppelleben

Nora wird durch die rigide und zwanghafte patriarchalische Familienstruktur geradezu dazu gezwungen, ein geheimes Parallelleben zu führen und zu lügen. Das hat sie als kleines Mädchen und in ihrer Jugend gelernt, nachdem ihren Vater auch sie als eine Puppe behandelt hat. Dieses Doppelspiel zeigt sich im Großen wie im Kleinen. Torvald will zum Beispiel nicht, dass Nora Makronen nascht, was sie dennoch tut und weswegen sie ihm diesbezüglich später ins Gesicht lügt.

Nora verlässt schon zu Beginn ihrer Ehe bewusst die ihr zugedachte Rolle als Nebenakteur. Selbstbewusst und selbstständig nimmt sie einen Kredit auf und wendet sich somit einem völlig durch die Männer geprägten Bereich zu. Da Frauen zu dieser Zeit nicht berechtigt waren, Kredite aufzunehmen und dafür die Erlaubnis ihres Ehemanns oder Vaters benötigten, muss Nora die Unterschrift ihres Vaters fälschen und vortäuschen, dass es sich bei dem Geld...

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