Die Konsequenzen von Noras Fortgang

Noras privilegiertes Leben und Naivität

Nora befindet sich bereits ihr ganzes Leben lang in einer gesellschaftlich sehr vorteilhaften Position. Bereits ihr Vater kann sich eine Amme leisten, die seine Tochter aufzieht und betreut. Die Helmers sind so vermögend, dass sie sich neben dieser Amme auch noch ein Hausmädchen leisten können, das all die schwierigen und anstrengenden Aufgaben im Haushalt übernimmt, um die sich Nora nicht kümmern muss. In einer Zeit, in der es kaum technische Hilfsmittel für die Hausarbeit gibt, ist dieser Aspekt sehr bedeutend.

Nora ist einzig und allein die Puppe, die ihren Mann unterhalten soll. Dafür belohnt er sie mit Luxus und materiellen Gütern oder Geld. Hinzu kommt die Tatsache, dass sie als Frau eine Schulbildung genossen hat, was in der damaligen Zeit ein großes Privileg war. Damit spiegelt die Darstellung in keiner Weise die Lebensumstände des wesentlich größeren Teils der Gesellschaft im 19. Jahrhundert wider, in der die klassische Rollenverteilung überlebensnotwendig war. Die Männer arbeiteten lange und hart in den Fabriken oder auf den Feldern und den Frauen oblag es, den gesamten Haushalt zu führen und die Kinder zu versorgen. Wie die Männer auf der Arbeit mussten sie im Haushalt schwere körperliche Arbeit verrichten.

Mit ihrem Fortgang wird Nora somit zuerst vor großen finanziellen Problemen stehen, da sie aufgrund der Rückzahlung des Kredits in den letzten Jahren keinerlei Rücklagen bilden konnte. Sie wird daher von Personen abhängig werden, die ihr Geld leihen oder schenken. Die Freiheit, die sie anstrebt, ist allein aus finanzieller Perspektive deshalb eine Utopie, auch weil sie jegliche Hilfe von Torvald ablehnt. Hier zeigt sich, dass sie diesbezüglich völlig naiv ist und in ihrem ganzen Leben noch nie gelernt hat, aus finanziellen Gründen Entbehrungen auf sich zu nehmen.

Das zweite Problem wird sein, dass sie von nun an einen eigenen Haushalt führen muss. Sie scheint mit keiner dieser Aufgaben wirklich vertraut zu sein. Ihre Unbedarftheit und Naivität spiegeln sich im Aufeinandertreffen mit Christine wider. Sie weiß, dass Nora „die Mühen und Beschwerden des Lebens so wenig“ (S. 19) kennt. Für sie ist sie noch...

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