Das Prinzip der Polarität

Zwei grundsätzlich völlig gegensätzliche Weltanschauungen werden in Bezug auf die Menschen als Polarität bezeichnet. In Ibsens Drama bilden verschiedene Personenkonstellationen Polaritäten und spiegeln das jeweilig Verhalten ihres Gegenübers wider.

Nora und Torvald

Nora und Torvald sind durch zwei grundverschiedene Charaktere gekennzeichnet, die zu Beginn der Handlung aber gut zu harmonieren scheinen. In der bürgerlichen Ehe des Helmers erfüllt die Gattin wohlwollend die Anforderungen ihres Ehemannes und dieser behandelt sie wie eine Puppe, die nach seinem Gutdünken agiert. Sie befriedigt alle Bedürfnisse ihres Ehemanns ohne Rückfragen und wird dafür mit Luxus und materiellen Gütern belohnt.

Die Polarität zwischen Noras Passivität und Torvalds Dominanz ergibt hierbei eine sehr für Probleme anfällige Basis für eine dauerhafte, glückliche Beziehung. Auch hinsichtlich der Betrachtung des Gesetzes vertreten beide eine grundlegend andere Meinung und Argumentationsebene. Dies wird besonders in ihrem finalen Streitgespräch deutlich. So führt Nora ihrem Mann klar vor Augen, dass sie im Gegensatz zu ihm Dinge kritisch hinterfragt: „Über diese Dinge bin ich mir gar nicht im Klaren. Ich weiß nur, dass ich über so etwas eine ganz andere Meinung habe als du. Ich hörte ja jetzt auch, dass die Gesetze anders sind, als ich glaubte; aber dass die Gesetze richtig sein sollen, das will mir einfach nicht in den Kopf. […] Nein, ich versteh sie [die Gesellschaft] auch nicht. Aber jetzt will ich sie kennenlernen. Ich muss mich davon überzeugen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich.“ (S. 98).

Nora und Christine

Christine und Nora verkörpern zwei unterschiedliche Frauentypen, da das Leben ihnen zwei sehr verschiedene Schicksale und Bedingungen zugeteilt hat, die fast gegensätzlich sind.

Nora lebt seit ihrer Geburt in sehr privilegierten Verhältnissen. Ihr Vater ist wohlhabend genug, um sich eine Amme für sie zu leisten. Im Haushalt der Familie Helmer kümmert sich diese Amme nicht nur um die Kinder von Nora, sondern sorgt auch eine Haushaltshilfe für das Praktische. Stets ist genügend Geld für Kleidung, Essen und Miete vorhanden.

Christine stammt dagegen aus bescheidenen Verhältnissen und da ihr Vater verstorben ist, muss sie f...

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