Merkmale des Realismus im Werk

Die Epoche des literarischen Realismus

Die Epoche des literarischen Realismus, der auch als bürgerlicher oder poetischer Realismus bezeichnet wird, umfasst in etwa die Zeitspanne von 1848 bis 1890. Diese Zeit ist stark durch die Industrialisierung und das starke Anwachsen der Großstädte gekennzeichnet. Damit verbunden ist eine völlige Veränderung des sozialen Gefüges: Die Schere zwischen dem immer vermögenderen Bürgertum und den einfachen Arbeitern, die in den Fabriken für wenig Geld viel Arbeit leisten müssen, führt zu großer sozialer Ungleichheit.

Den Ausgangspunkt dieser Epoche bilden das Scheitern der deutschen Märzrevolution im Juli 1849 und die damit verbundene Desillusionierung ihrer Anhänger. Als Reaktion darauf entsteht die literarische Strömung des Realismus, der zwar die nach der gescheiterten Revolution veränderte Gesellschaft darstellt, im Gegensatz zum später entstehenden Naturalismus aber politische und soziale Komponenten ausklammert.

Die Autoren konzentrieren sich auf eine möglichst präzise Darstellung des Bürgertums und seiner Lebensumstände. Dabei wird sich bezüglich der Handlung auf das Wesentliche konzentriert. Die Autoren wollen darstellen, in welchem Spannungsfeld das Individuum zur Gesellschaft steht und welche Probleme sich aus den Veränderungen ergeben. Während sich der bürgerliche Realismus auf diesen Aspekt konzentriert, fordern die Vertreter des poetischen Realismus, dass die Darstellung der Wirklichkeit künstlerisch bearbeitet werden soll (siehe auch Literaturepochen „Realismus“).

Ibsens realistische soziale Dramen

1852 gewährt das norwegische Nationaltheater in Bergen, für das Ibsen seit November 1851 arbeitet, dem Autor ein Reisestipendium, das ihn in verschiedene europäische Theaterstädte führt, unter anderem nach Dresden. Dort kommt Ibsen mit Hermann Hettners Werk „Das moderne Drama“ in Kontakt, das großen Einfluss auf sein weiteres Wirken ausüben wird.

Der deutsche Literaturhistoriker, Kunsthistoriker und Museumsdirektor Hettner (1821-18882) unterscheidet zwischen der historischen Tragödie, dem bürgerlichen Drama und der Komödie. Er fordert, dass der Autor nicht mehr aus sich heraus Geschichte schreiben soll, sondern Stoffe wählen muss, die in einem direkten Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Stimmungen und dem Zeitbewusstsein stehen.

Beeinflusst durch die Überlegungen Hettners zum modernen Drama, mit dem er in den 1850er Jahren in Dresden in Kontakt kommt und der eine soziale Dramaturgie an Stelle einer klassischen Dramatik fordert, adaptiert Ibsen die zeitgenössischen Probleme der Gesellschaft als zentrales Thema seines Schaffens.

Ab dem 1873 erschienenen Drama „Kaiser und Galiläer“ sind Ibsens Werke von der Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft gekennzeichnet. Er sieht nun in der Arbeit eines Autors die Aufgabe, die jeweilige Zeit unverblümt darzustellen und die vorhandenen Missstände zu kritisieren. Mit der Konzentration auf aktuelle Themen beginnt auch die Zeit des größten finanziellen Erfolgs des Autors.

Mit „Nora“ (1879) möchte er durch die genaue Darstellung des damaligen norwegischen Bürgertums und seiner Lebensumstände herausarbeiten, dass eine Frau in einer völlig von Männern kontrollierten Gesellschaft nicht sie selbst sein kann. Alle Bereiche sind völlig von der männlichen Perspektive geprägt. So werden beispielsweise den Frauen weder das Wahlrecht noch die Fähigkeit zugesprochen, selbstständig einen Kredi...

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