Autobiografische Züge und Entstehung

Kindheit

Der berühmte norwegische Schriftsteller Henrik Ibsen wird am 20. März 1828 in der Stadt Skien, der Hauptstadt von Telemark, geboren. Er wächst in einer wohlhabenden Familie mit vier Geschwistern auf.  Sein Vater, ein angesehener Kaufmann mit großem gesellschaftlichem Einfluss, besitzt ein großes Haus in der Innenstadt mit Bediensteten. Die Familie empfängt oft Gäste. Der Autor kann somit auf eigene Erfahrungen zurückgreifen und realistisch das Leben im Hause einer wirtschaftlich gut situierten Familie beschreiben, deren Haus jedem Besuch immer offensteht.

1835 wird der Vater des Dichters, der Kaufmann Knud Ibsen, aufgrund schlechter Geschäfte zahlungsunfähig und muss Konkurs anmelden. Die Familie muss die Villa in der Stadt Skien verkaufen und auf den Sommersitz der Familie außerhalb der Stadt auf den abgelegenen Hof Venstøp ziehen. Der Geschäftsmann wird nachfolgend gesellschaftlich geächtet und verfällt nachfolgend dem Alkohol. Diese einschneidenden Ereignisse bearbeitet Ibsen später als Hauptthema in seinen Dramen, in denen die Figuren, wie Torvald in dem Drama „Nora“, Angst vor dem sozialen Abstieg haben. Durch die Erfahrung des Konkurses seines Vaters vertritt Ibsen außerdem zeitlebens eine sehr vorsichtige Einstellung zu Schulden, die auch sich in Nora widerspiegelt.

Nach dem gesellschaftlichen Abstieg der Familie wirkt der 7-Jährige introvertiert, mag aber doch Puppentheater für die Nachbarskinder spielen. Er besucht die Mittelschule seiner Heimatstadt Skien. Ibsens Mutter zieht sich zurück und drückt sich künstlerisch aus. Neben der Malerei macht sie auch Puppen, die im Stück „Nora“ leitmotivisch erscheinen (siehe dazu Analyse „Symbole und Leitmotive“)

Made in Italien

1864 wird Ibsen vom norwegischen Parlament ein Reisestipendium bewilligt. Darüber hinaus organisiert der bekannte norwegische Dichter Bjørnstjerne Bjørnson eine Geldsammlung für den Autor, welche diesem eine Reise nach Italien ermöglicht. In den folgenden vier Jahren lebt er so in nicht einfachen finanziellen Verhältnissen in Rom und Genzano. Hier verfasst er zunächst das Drama ”Brand”, das er 1865 veröffentlicht und dessen großer Erfolg ihm eine jährliche Dichtergage des norwegischen Parlaments beschert.

Insgesamt übt der Aufenthalt in Italien einen großen positiven Einfluss auf die Arbeit Ibsens aus, der hier auch seinen ”Peer Gynt” abschließt. Bis 1868 bleibt der norwegische Autor mit seiner Familie in Süden, bevor er nach Deutschland übersiedelt und in München und Dresden im Exil lebt.

1875 zieht Ibsen mit seiner Familie nach München, wo er sich nun immer mehr den aktuellen gesellschaftlichen Problemen widmet und diese Gegenwartsstoffe in seine Werke einfließen lässt. Damit beginnt der Höhepunkt seines Schaffens und seines Erfolgs. In München trifft Ibsens Ehefrau Suzannah Daae Ibsen eine Freundin der Familie, die junge Autorin Laura Kieler, die ihr ihre Geschichte erzählt, welche dem Schicksal von Nora ähnelt. Sie hat auch, nachdem sie illegale Kredite aufgenommen hat, große Komplikationen erlebt (siehe dazu „Die Geschichte von Laura Kieler als Vorbild für Nora“).

1878 reist Ibsen erneut mit seiner Familie nach Rom, wo er bereits von 1864 bis 1868 mit seiner Familie gelebt hatte. Am 19. Oktober 1878 beginnt er mit ersten Notizen zu dem Werk „Ein Puppenheim“, das zuerst auch den Arbeitstitel „Aufzeichnungen zur Gegenwartstragödie“ trägt. In Amalfi vollendet im Sommer 1879 der 51-jährige norwegische Schriftsteller die Arbeit an „Nora oder ein Puppenheim“. Nach seiner Rückkehr nach München im Oktober wird das Drama im Dezember veröffentlicht und am 21. Dezember 1879 in Kopenhagen uraufgeführt.

Der einjährige Genesungsaufenthalt der Familie Helmer in Italien, der im Stück „Nora“ nur erwähnt und nicht näher beschrieben wird, basiert somit lose auf den Erfahrungen, die Ibsen mit seiner Familie dort gesammelt hat sowie auf der Genesungsreise von Lauras Kielers Ehemann in den Süden.

Der Unterschied zwischen Mann und Frau

Ibsen hat für die damalige Zeit einen sehr differenzierten Blick auf die problematische Position der Frau in der Gesellschaft und vermerkt 1879 in seinen Aufzeichnungen: „Eine Frau kann nicht sie selbst sein in der Gesellschaft der Gegenwart, einer ausschließlich männlichen Gesellschaft mit von Männern geschrie...

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