Rezension

Den historischen Hintergrund des Dramas „Prinz Friedrich von Homburg“ bildet die Schlacht bei Fehrbellin im Jahr 1675. Der General Prinz von Homburg und seine Truppen schlagen sich erfolgreich, sodass ein brandenburgischer Sieg in der Schlacht errungen werden kann. Doch weil er gegen den ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten Friedrich Wilhelm zu früh in den Kampf eingegriffen hat, lässt dieser Homburg verhaften und zum Tode verurteilen.

Völlig verzweifelt und von nackter Todesangst getrieben, fleht der Prinz die Nichte des Kurfürsten sowie dessen Frau an, bei Friedrich Wilhelm um Gnade zu bitten. Doch dieser will den General nur dann von der Todesstrafe entbinden, wenn er öffentlich bekundet, ungerecht behandelt worden zu sein. Homburg erkennt jedoch das Urteil als gerecht an und bereitet sich auf seinen Tod vor.

In der festen Überzeugung, schon bald hingerichtet zu werden, wird der Prinz in den Garten des Schlosses geführt und wartet auf seinen Tod. Entgegen seinen Erwartungen schenkt ihm der Fürst jedoch sein Leben und die Hand seiner Nichte Natalie.

In eindrucksvoller Weise thematisiert das Stück „Prinz Friedrich von Homburg“ den Konflikt zwischen der Freiheit des Individuums und der Rechtsordnung des Staates. Vernunft und Gefühl stehen sich konkurrierend gegenüber. Heinrich von Kleist löst den Konflikt auf eine besonders geschickte Art und Weise: Er bettet den Protagonisten Homburg und dessen persönliche Wertvorstellungen in das große Ganze des bestehenden preußischen Systems ein. Das Stück bietet völlig widersprüchliche Interpretationsansätze und wird bis heute von den Literaturwissenschaftlern und Rezipienten gleichermaßen kontrovers diskutiert. Das Drama vermittelt einen detaillierten Einblick in die geschichtlichen Hintergründe Preußens und die Welt der Aristokraten. Die weiteren Themen, wie Verantwortung, Schuld und Liebe, sind hingegen zeitlos, was dazu beiträgt, dass das Werk „Prinz Friedrich von Homburg“ noch heute so häufig gelesen wird. Nicht umsonst ist es ein wichtiger Bestandteil des Literaturunterrichts an deutschen Schulen.