Befehlsverweigerung (Insubordination)

Verurteilung und Begnadigung

Nach der Ansicht des Kurfürsten kann die Zukunft des Staates Preußen einzig und allein durch die Einhaltung der Gesetze gewährleistet werden: „Mehr Schlachten noch, als die, hab' ich zu kämpfen, Und will, daß dem Gesetz Gehorsam sei.“ (S. 44). Eine Insubordination gefährdet seiner Meinung nach diese staatliche Ordnung. Auf dieses Vergehen steht die Todesstrafe, die zum einen als Vergeltung und zum anderen als Abschreckung dienen soll.

Das Allgemeine Preußische Landrecht, nach dem sich auch Kleist in seinem Drama richtet, sieht sowohl die Verurteilung als auch die Begnadigung durch den Landesherrn vor. Homburg erkennt das Gesetz an und stellt dessen formale Gültigkeit nicht infrage. Er geht jedoch fest davon aus, dass der Kurfürst ihn nach der Verurteilung durch das Kriegsgericht begnadigen werde: „Doch eh' er solch ein Urtheil läßt vollstrecken, Eh' er dies Herz hier, das getreu ihn geliebt, Eh' sieh, Eh' öffnet er die eigne Brust sich, Und spritzt sein Blut selbst tropfenweis in Staub“ (S. 52). Der Prinz geht davon aus, dass es dem Kurfürsten genügt, deutlich gemacht zu haben, dass man seine Gesetze befolgen müsse.

Anfangs ist er sich seiner Begnadigung extrem sicher, denn er denkt, aus persönlichen Gründen und aufgrund seiner guten Beziehung zum Fürsten einen Anspruch darauf zu haben. Er kann sich außerdem nicht vorstellen, dass der Sieger der Schlacht bei Fehrbellin verurteilt werden könnte. Aus der Sicht des Fürsten jedoch sind der Ungehorsam und die Insubordination nicht zu entschuldigen. Hierfür ist seiner Meinung nach vor allem entscheidend, dass der Sieg nicht aufgrund von Homburgs Entscheidung, sondern durch bloßen Zufall errungen worden ist. Darüber hinaus ist er der festen Überzeugung, dass ohne den Alleingang des Prinzen der gesamte Krieg an diesem Tag gewonnen worden wäre: „Wenn ihr die Ordre nicht gebrochen hättet, Dem Hennings wäre dieser Schlag geglückt; Die Brücken hätt' er, in zwei Stunden Frist, In Brand gesteckt, am Rhyn sich aufgepflanzt, Und Wrangel wäre ganz, mit Stumpf und Stil, In Gräben und Morast, vernichtet worden.“ (S. 83). Dieser Gesamtsieg gegen Schweden sei also durch das Eingreifen Homburgs aktiv verhindert worden.

Pflicht und Gefühl

Homburg kann zunächst nicht erkennen, dass sich der Kurfürst freiwillig an die (Kriegs-)Gesetze hält. Aus diesem Grund sieht er auch nicht die Berechtigung seiner Verhaftung ein. Er betrachtet den Fürsten schon als einen römischen Tyrannen, der einen Rivalen ausschalten will. Die gesetzliche Realität, nach der Insubordination mit dem Tode bestraft werden soll, sieht er nicht. Homburgs einzige Handlungsmotivation war ...

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