Epoche

Kleists Stück bewegt sich zwischen Romantik und Klassik. Der Abschnitt „Epoche“ veranschaulicht die wesentlichen historischen Umstände sowie den geschichtlichen Hintergrund des Dramas. Darüber hinaus wird dessen Entstehungsgeschichte beleuchtet, ebenso wie die Quellen, die Kleist zu seinem letzten Werk inspirierten. Die turbulente Rezeptionsgeschichte sowie die häufigen Kritikpunkte an „Prinz Friedrich von Homburg“ werden ebenfalls betrachtet.

Zeitgenössischer Hintergrund

Um Kleists Drama „Prinz Friedrich von Homburg“ (1809-1810) in seiner Ganzheit begreifen und verstehen zu können, ist der zeitgeschichtliche Hintergrund des Werkes von besonderer Bedeutung. Vor allem die Ideen der Aufklärung sowie die Französische Revolution, die Napoleonischen Kriege, die preußischen Reformen seit 1807 und das aufkeimende Nationalgefühl innerhalb Deutschlands spielen dabei eine wichtige Rolle.

Kleist wird in eine Zeit voller politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen hinein geboren. Die Ideen der Aufklärung stellen sowohl die Vorherrschaft der Kirche als auch die absolutistische Ständegesellschaft massiv infrage, was vor allem bei vielen Gebildeten und auch beim niederen Adel den Wunsch nach tief greifenden Veränderungen weckt. Vor allem die Forderungen nach der Gleichheit aller Menschen vor Recht und Gesetz sowie nach der Emanzipation der benachteiligten Schichten werden laut. Das Bürgertum beanspruchte für sich ein Mitspracherecht in den Fragen des alltäglichen Lebens sowie der Politik.

Im Jahr 1789 bricht in Frankreich die Französische Revolution aus. In deren Folge werden der Feudalismus sowie die absolutistische Ständeordnung abgeschafft, die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte garantiert allen französischen Staatsbürgern das demokratische Mitbestimmungsrecht, die Gleichheit vor dem Gesetz und das individuelle Recht auf Eigentum. Großmächte, wie Österreich oder Preußen, befürchten, dass die Revolution auch über die Landesgrenzen Frankreichs hinaustreten könne. Aus diesem Grund führen sie ab 1792 bis ins Jahr 1815 hinein permanent Kriege gegen das Nachbarland, die in wechselnden Koalitionen stattfinden.

Seit 1799 wird Frankreich von Napoleon Bonaparte regiert. Die unter ihm geführten napoleonischen Kriege sollen die europäische Landkarte innerhalb weniger Jahre deutlich verändern. Bereits im Jahr 1803 verschwinden einige kleine Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und werden größeren Herrschaftsbereichen angegliedert. Die Gründung des Rheinbundes sowie das formale Ende des Heiligen Römischen Reiches führen 1806 zu grundlegenden Veränderungen in der Politik und im Sozialwesen Deutschlands.

Einige Staaten, wie beispielsweise Westfalen, sind nun von Frankreich abhängig, was dazu führt, dass innerhalb ihrer Grenzen das Feudalsystem abgeschafft und bürgerliche Reformen durchgeführt werden. In ihnen wird auch der Code Civil (oder auch: Code Napoléon), das erste bürgerliche Gesetzbuch, eingeführt. Diese Gesetzessammlung verändert das Rechtssystem, indem nun eine öffentliche Rechtsprechung und Rechtssicherheit bestehen.

Preußen muss am 14. Oktober 1806 in der Schlacht von Jena und Auerstedt eine vernichtende Niederlage gegen Frankreich bzw. Napoleon hinnehmen. Es folgt der Frieden von Tilsit. Auch innerhalb dieses Königreiches wurden tief greifende Neukonstituierungen der staatlichen Ordnung vorgenommen, vor allem unter der Leitung der Minister Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom und zum Stein sowie Karl August Fürst von Hardenberg. Im Rahmen des Oktoberediktes von 1807 wird die Erbuntertänigkeit der Bauern aufgehoben, sodass alle Einwohner Preußens nun frei wählen können, was ihren Beruf und den Erwerb von Eigentum angeht.

Die preußischen Reformen, die auch Heeres-, Bildungs- und Verwaltungsreformen einschließen, erfüllen zum großen Teil die Forderungen der preußischen Bevölkerung. Die Grenzen zwischen Volk und Verwaltung sowie Adel lösen sich immer mehr auf. Die Heeresreform beseitigt beispielsweise die Schranken zwischen Gesellschaft und Armee, wobei unter anderem die Adelsprivilegien für die Offiziere und die neu eingeführte Militärjustiz eine enorme Rolle spielen. Diese Tatsachen ebnen den Boden für ein deutsches Nationalbewusstsein, das sich immer mehr gegen die französische Fremdherrschaft richtet.

1808 bricht in Spanien ein Volksaufstand aus, der auch in Preußen den Wunsch nach der Befreiung von Napoleon wach werden lässt. Dabei machen die Preußen sich die Maximen der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) sowie die Idee des Volkskriegs zu eigen, die auf eine Vernichtung des Feindes abzielt. 1809 folgt der Krieg zwischen Österreich und Frankreich, von dem sich Kleist eine Volkserhebung in ganz Deutschland verspricht. Jedoch schließt sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. dem Befreiungskrieg nicht an. Erst 1813 kommt es nach der Niederlage Frankreichs gegen Russland zu diesem Kampf. Die Ursache hierfür war der Frieden von Schönbrunn von 1809, der zunächst zu einer noch größeren Abhängigkeit von Frankreich führte.

Historischer Hintergrund

Kleists Drama „Prinz Friedrich von Homburg“ basiert auf historischen Ereignissen aus dem Jahr 1675. Daraus folgt, dass es 135 Jahre vor seiner eigentlichen Niederschrift spielt. Sowohl Kurfürst Friedrich Wilhelm als auch der Prinz von Homburg haben tatsächlich existiert. Die folgenden Ausführungen thematisieren sowohl diese beiden Hauptfiguren des Stückes als auch das historische Ereignis der Schlacht von Fehrbellin, die ebenfalls im Zentrum der Handlung steht.

Auch wenn Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst Brandenburgs, heute zum großen Teil nur noch ein historischer Schatten ist, wird er doch zumindest mit einem zentralen Ereignis der deutschen Geschichte verbunden, der Schlacht von Fehrbellin im Jahre 1675, die mitten in der Mark Brandenburg siegreich gegen das schwedische Heer geschlagen wurde. Besagter Kurfürst Friedrich Wilhelm wurde 1620 geboren und starb im Jahr 1688. Fast ein halbes Jahrhundert (1640 bis 1688) regierte er Brandenburg.

Der große Kurfürst musste während seiner Regierungszeit den Einfall schwedischer Truppen verhindern, die sich mit Frankreich verbündet hatten. Ihr Plan war es, in die Mark Brandenburg vorzudringen, die Schlacht von Fehrbellin brachte letztendlich die positive Entscheidung für die Heere des Fürsten. Anführer der siegreichen Reiterei war Landgra...

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