Analyse

Die Werkanalyse beschäftigt sich zunächst mit der inneren Struktur des Stücks sowie der im Drama verwendeten Sprache. Sie stellt außerdem die Frage, ob es sich um ein offenes oder um ein geschlossenes Drama handelt. Der Figurensprache und der spezifischen Metrik wird in „Prinz Friedrich von Homburg“ eine besondere Bedeutung zuteil, weswegen ihre Funktion ausführlich untersucht wird. Ebenso wird analysiert, welche Motive und Symbole innerhalb des Stückes gehäuft auftauchen. Die oft kritisierte Todesfurchtszene wird außerdem detailliert beleuchtet.

Aufbau

Schauspiel oder Tragödie

Betrachtet man die äußere Form des Stückes „Prinz Friedrich von Homburg“, so stellt man schnell fest, dass es wie ein klassisches Drama in fünf Akte aufgebaut ist. Es weist eine symmetrische Anordnung der Szenen und Gegenszenen auf. Dies beschränkt sich jedoch lediglich auf den äußeren Aufbau. Innerlich wird in Bezug auf die Handlung kein Ausgleich im Sinne des Dramas vorgenommen.

Nun stellt sich weiterhin die Frage nach der eigentlichen Form des Prinzen von Homburgs. Diese scheint auf den ersten Blick beantwortet, wenn man den Untertitel „Ein Schauspiel“ betrachtet. Dieser Terminus bezeichnet zunächst eine Zwischenform zwischen Trauer- und Lustspiel, die der Definition nach unter Wahrung der ernsten Grundstimmung zur friedlichen Überwindung des Konflikts durch die rechtzeitige Besinnung des Helden und zum Sieg des Guten führt. Legt man diese Kriterien an, erfüllt „Prinz Friedrich von Homburg“ diese mustergültig und folgt den Vorbildern der klassischen deutschen Literatur, wie beispielsweise den Werken „Nathan der Weise“ von Lessing oder Schillers „Wilhelm Tell“.

Das Schauspiel steht hinsichtlich seiner Form der Tragödie näher, erreicht aber nicht die volle Höhe des Tragischen. Außerdem unterscheidet es sich von einer Tragödie durch die relativ untragische Entwicklung in ihrem ernsten, aber glücklichen Ausgang, der jedoch nie explizit ausgesprochen wird. Homburg kann kaum realisieren, dass er tatsächlich dem Tod entkommt, und die Offiziere es ein weiteres Mal mit ihm als General versuchen möchten: „Nein sagt, ist es ein Traum?“ (S. 96). Durch dieses komisch anmutende Ende nähert sich Schiller mit seinem Schauspiel der Tragikomödie an.

Doch aus welchem Grund wird das Stück so oft als Tragödie beziehungsweise Homburg als ein „tragischer Held“ bezeichnet? Diese Tatsache rührt daher, dass das Schauspiel durchaus tragische Elemente enthält. Vor allem das Ende macht deutlich, dass „Prinz Friedrich von Homburg“ nur auf einer oberflächlichen Ebene als „glücklich“ bezeichnet werden kann. Homburgs Ziel, Ruhm und Unsterblichkeit dadurch zu erlangen, dass er in den „freien Tod“ (S. 90) geht, wird am Ende nicht erreicht. Stattdessen wird ihm die Rolle des tragischen Helden verweigert, indem sein vorheriger Wunsch (die Verehrung als Sieger der Schlacht) scheinbar erfüllt wird.

Eine klassische Tragödie

Tatsächlich werden in Kleists Stück Seinsfragen und Fragen der Menschlichkeit und Freiheit sowie der Schuld und Sühne aufgeworfen und verhandelt. Diese Bearbeitung ist typisch für die klassische Tragödie. Auch formal hält sich das Schauspiel, wie bereits erwähnt worden ist, an den Dramenaufbau. Wie die meisten klassischen Dramen ist es in fünf Akte geteilt und ist durch den typischen, pyramidalen Aufbau gekennzeichnet.

Der erste Akt bildet die Exposition des sich aufbauenden Konflikts zwischen dem von Ruhm und Ehre sowie Liebesglück träumenden Prinzen und dem Kurfürsten.

Im  zweiten Akt steigert sich die Handlung mithilfe diverser erregender Momente. Zum einen greift Homburg befehlswidrig in die Schlacht ein (S. 32ff.), zum anderen wird der Kurfürst fälschlicherweise für tot gehalten, was im Anschluss daran wieder berichtigt wird. Die Verlobung Homburgs mit der Prinzessin Natalie sowie seine Verhaftung sind ebenfalls erregende Momente.

Der dritte Akt, die Peripetie, führt mustergültig den Höhe- und Wendepunkt der Handlung ein. Homburg ist wegen seiner bevorstehenden Hinrichtung zutiefst verzweifelt. Er unternimmt einen Bittgang zum Fürsten, in dessen Rahmen er um sein Leben fleht.

Das Angebot Friedrich Wilhelms im vierten Akt, den Prinzen unter der Bedingung zu begnadigen, dass dieser bekundet, ihm sei unrecht getan worden, bildet das wichtigste retardierende Moment. Weitere sind Homburgs Ablehnen der Bedingung sowie die darauf folgende Bestätigung des Todesurteils.

Diese Momente zögern die Lösung des Konflikts heraus, die erst im fünften Akt, dem Schluss, stattfindet. Homburg unterwirft sich dem Gesetz und dem Willen des Kurfürsten und wird begnadigt.

Offenes oder geschlossenes Drama?

„Prinz Friedrich von Homburg“ weist diverse Merkmale des klassischen, geschlossenen Dramas auf. Hierzu gehört vor allem die einheitlich, in sich geschlossene Haupthandlung: Der Prinz begeht einen befehlswidrigen Fehler und wird aufgrund dessen vom Kurfürsten verurteilt. Die Schlacht von Fehrbellin bildet ebenfalls einen wichtigen Handlungsteil. Das Stück beginnt und endet mit dem Traummotiv, welches den Rahmen bildet. Die Szenen sind kausal verknüpft und nicht austauschbar. Der Aufbau ist daher logisch, die Szenen resultieren auseinander. Die Nebenhandlungen, wie beispielsweise Homburgs Liebe zu Prinzessin Natalie, dramatisieren die Handlung.

Weitere Merkmale des geschlossenen Dramas sind die Einheit und der knappe Raum der Zeit. „Prinz Friedrich von Homburg“ erfüllt dies, da es sich in einem Zeitraum von wenigen Tagen zuträgt. Die Zeit bildet dabei nur den Rahmen des Geschehens, es gibt keine nennenswerten Zeitsprünge. Die Handlungsorte sind ebenfalls relativ einheitlich, es gibt keine großen Ortswechsel innerhalb der einzelnen Akte.

Die Personenanzahl ist sehr gering, sieht man einmal von der Masse der Reiter ab, die zwar die Schlacht von Fehrbellin schlagen, jedoch nicht in ihrer Individualität erwähnt werden. Diese Bearbeitung ist ebenfalls kennzeichnend für geschlossene Dramen. Die Sprache innerhalb des gesamten Stückes ist einheitlich und an der Rhetorik ausgerichtet. Sie richtet sich an dem dominierenden Stand des Dramas aus: Dem Adel und dem Militär. Der gehobene Sprachstil wird während des gesamten Schauspiels nicht verlassen.

Jedoch sind innerhalb des Dramas auch einige wenige Merkmale des offenen Dramas auffindbar. So zum Beispiel die Handlung des Protagonisten Homburgs: Im geschlossenen Drama ist es üblich, dass die Personen vernunftgesteuert handeln und sich nach ihren individuellen Vorgaben richten. Hom...

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