„Michael Kohlhaas“ im Verhältnis zu historischen Fakten

Heinrich von Kleist hat die Geschichte um den historischen Kohlhase freilich nur als Vorlage verwendet, um seiner eigenen Vorstellung Ausdruck zu verleihen. Es ist darüber hinaus sehr wahrscheinlich, dass Kleist nicht annähernd so genau über die historischen Umstände bezüglich Hans Kohlhase informiert war, wie der Text dies vermuten lässt. Fest steht aber, dass der Autor einige der historischen Fakten übernommen hat, andere hat er frei erfunden oder verändert.

Der erste auffällige Unterschied ist die Abänderung des Namens von Hans Kohlhase in Michael Kohlhaas. Dies ist insofern ein gezielter und geschickter Schachzug von Kleist, als dass damit zum einen die Assoziation mit dem im Volksmund vorhandenen Ausspruch des Feiglings („Hasenfuß“, „Hasenherz“) abgeschwächt wird, zum anderen die Identifikation des Protagonisten mit dem Erzengel Michael nahelegt wird („Er nannte sich in dem Mandat, das er, bei dieser Gelegenheit, ausstreute, einen Statthalter Michaels, des Erzengels [...]“, S.34) und ihm auf den ersten Blick den Anschein des Bringers von Gerechtigkeit verleihen soll.

Während der historische Kohlhase als Dieb der Pferde erscheint, ist Michael Kohlhaas das Opfer der Willkür des Junkers. Im Gegensatz zur historischen Person versucht Michael Kohlhaas, nicht nur zwei Mal auf juristischem Wege sein Recht einzufordern, sondern drei Mal (zwei Mal in Sachsen, ein Mal in Brandenburg). Die historische Brandstiftung in Wittenberg 1534, die Kohlhase immer abgestritten hat und für die 1535 ein gewisser Valentin Teuchel hingerichtet wurde, ist im Text durch die Anwesenheit des Junkers von Tronka motiviert.

Im Gegensatz zur historischen Wirklichkeit ziehen ganze Heerscharen gegen Kohlhaas in den Krieg, während gegen Hans Kohlhase nur einige Dutzend Soldaten aufgestellt werden. Die terroristischen Akte des Hans Kohlhase sind oftmals willkürlich, hingegen werden die Gewalttaten des Michael Kohlhaas immer funktional und gezielt vollzogen.

Martin Luther tritt als Reizfigur auf, denn mit seinem öffentlichen Plakat geht er mit harscher Rhetorik gegen Kohlhaas vor. In Wirklichkeit ist Luthers Auftritt nicht annähernd so aggressiv, außerdem wendet er sich mit einem Brief direkt an Hans Kohlhase....

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