Historischer Hintergrund

Emanzipation und Revolution

Heinrich von Kleist wurde in eine Zeit hineingeboren, die bestimmt war von grundlegenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen. Von besonderer Bedeutung waren um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert die Krise des Absolutismus und die Infragestellung der Macht der Kirche, die besonders durch die Ideen der Aufklärung angestoßen wurden. Damit ging die Emanzipation des Bürgertums und des niederen Adels einher, durch die der Wunsch nach sozialen und politischen Veränderungen immer lauter wurde. Eine immer wieder gestellte Forderung war die auf der natürlichen Gleichheit des Menschen (siehe dazu auch Naturrecht) basierende Gleichheit vor dem Gesetz.

Wesentliche Anstöße für derlei Bestrebungen lieferte die 1789 angebrochene Französische Revolution (1789-1799), durch die der Absolutismus und die feudale Ständegesellschaft de facto abgeschafft wurden. Darüber hinaus wurden im Zuge der Umwälzungen in Frankreich am 26. August 1789 die Menschen- und Bürgerrechte erklärt, die jedem Menschen Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Recht auf Eigentum und demokratische Mitbestimmung versprachen.

Die Entwicklungen in Frankreich sorgten natürlich dafür, dass die europäischen Großmächte, insbesondere Österreich und Preußen, befürchten mussten, dass die Revolution auch auf ihr Hoheitsgebiet übergreifen könnte. Dies führte dazu, dass zwischen 1792 und 1815 fast ununterbrochen Krieg auf dem europäischen Kontinent geführt wurde. In wechselnden Koalitionen bekämpfte man Frankreich und Napoleon Bonaparte, der seit seinem Staatsstreich vom 9. November 1799 Frankreich regierte und ab 1804 als Napoleon I. Kaiser Frankreichs war.

Kriege und Veränderungen

Innerhalb weniger Jahre veränderten die Napoleonischen Kriege die Landkarte Europas und weite Gebiete standen unter französischer Fremdherrschaft. Innerhalb Deutschlands veränderten sich ab 1803 die Machtverhältnisse, denn kleine Territorien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen wurden mittelgroßen Staaten zugeschlagen. Mit dem auf Napoleons Initiative gegründeten Rheinbund 1806 wurde das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen besiegelt und wesentlichen politischen und sozialen Veränderungen der Weg geebnet. In den von Frankreich abhängigen deutschen Staaten wurde das feudale System abgeschafft und es wurden bürgerliche Reformen durchgeführt. Der 1804 verabschiedete Code Civil galt ab 1807 in den von Frankreich dominierten Staaten und revolutionierte das bestehende Rechtssystem, indem es die Rechtsprechung vereinheitlichte, die Unabhängigkeit der Gerichte garantierte, für Rechtssicherheit und öffentliche Rechtsprechung sorgte und den Grundsatz der Gleichheit aller vor dem Gesetz einführte. Darüber hinaus garantierte er den Schutz und die Freiheit des Individuums sowie das Recht auf Eigentum.

Durch die siegreichen Feldzüge Napoleons konnten diese gesellschaftlichen Veränderungen nun aber auch in anderen Staaten ihre Früchte tragen. Preußen musste am 14. Oktober 1806 eine vernichtende Niederlage bei Jena und Auerstedt hinnehmen. Nach dem Frieden von Tilsit am 7. und 9. Juli 1807 wurden unter der Führung von Minister Heinrich Friedrich Karl Freiherr...

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