Zigeunerin

Die Außenseiterin

Die Zigeunerin ist eine rätselhafte Figur. Ihre Identität wird nie wirklich aufgeklärt. Sie taucht recht spät in der Handlung auf, übt dann aber einen enormen Einfluss auf die Geschehnisse aus. Sie ist ein altes, auf „Krücken gelehnt[es]“ (S.68) Weib mit „dürren, knöchernen Händen“ (S.68). Sie verfügt insgesamt über einen „knöchernen Bau“ (S.80). Außerdem trägt sie einen „Siegelring“ (S.79) an der Hand und eine „Korallenkette (ebd.) um den Hals. Sie wird gemäß den historischen Gegebenheiten als Außenseiterin in der Gesellschaft dargestellt. Die Gruppe der Sinti wurde (und wird) in der Gesellschaft diskriminiert. Im Mittelalter ist unter ihnen der Glaube an Wunder, Wahrsagerei und Astrologie gängig. Das zeigt sich auch in der Figur der Zigeunerin Elisabeth, wenn sie den beiden Kurfürsten eine Weissagung über ihre Zukunft macht.

Die Zigeunerin und Elisabeth

Es bestehen zeitliche Auffälligkeiten zwischen dem Tod von Elisabeth Kohlhaas und dem Auftauchen der Zigeunerin Elisabeth. Kohlhaas trifft die Zigeunerin „genau an dem Tage nach dem Begräbnis meiner [Kohlhaas', Anm. d. Verfass.] Frau“ (S.67). An anderer Stelle wird behauptet, Michael Kohlhaas sei erst „drei Tage[]“ (S.25) nach Lisbeths Tod aufgebrochen. Dies trägt zur geheimnisvollen Aura der Figur bei. Hinzu kommt, dass die Botschaft, die Michael kurz vor seiner Hinrichtung von der Zigeunerin erhält, mit „Deine Elisabeth“ (S.83) unterzeichnet ist. Lisbeth ist die Kurzform von Elisabeth, eine bemerkenswerte Parallelität.  Somit ist die Zigeunerin so inszeniert, als ob sie eigentlich Kohlhaas' verstorbene Frau ist und ihm beratend zur Seite steht. Michael erkennt auch eine „sonderbare Ähnlichkeit“ mit seiner Frau, sie wi...

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