Michael

Barmherzig und respektiert

Michael Kohlhaas ist die Titel- und Hauptfigur der Erzählung. Er ist 30 Jahre alt, Sohn eines Schulmeisters, Pferdehändler und besitzt eine Meierei in „einem Dorfe, das noch von ihm den Namen führte“ (S.7) (Kohlhaasenbrück).  Er ist mit Lisbeth verheiratet und hat fünf Kinder mit ihr. Kohlhaas ist ein ehrenwerter Mann, „nicht einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit, oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte“ (S.7). Er gilt als „Muster eines guten Staatsbürgers“ (ebd.). Darüber hinaus ist er ein kluger Geschäftsmann, der einen Teil seiner Gewinne „auf neuen Gewinst“ anlegt, einen Teil „aber auch auf den Genuß der Gegenwart“ (ebd.) verwendet. Daher ist er ein anerkannter Mann, der „Bekanntschaft“ mit den bedeutendsten Männern des Landes hat und deren „Wohlwollen“ er durch seine „Redlichkeit, mit welcher er […] zu Werke ging“ (S.17) genießt.  Außerdem ist Kohlhaas ein religiöser Mensch. Er und seine Frau sind Anhänger der lutherischen Religion (S.24), sind also Protestanten. Kohlhaas bittet Martin Luther sogar um die „Wohltat des heiligen Sakraments“ (S.39), was dieser jedoch ablehnt. Am Ende erhält Kohlhaas jedoch im Auftrage Luthers durch den Theologen Jakob Freising die „Wohltat der heiligen Kommunion“ (S.83).

Michael Kohlhaas tritt gegenüber seinen Untergebenen als gütiger Herr auf. So lässt er dem auf der Tronkenburg verletzten Herse „eine Flasche Wein“ (S.16) bringen, verspricht ihm nach den Misshandlungen „Gerechtigkeit“ (ebd.) und gestattet ihm, eine „Heilquelle“ (S.18) zu benutzen. Bis zum Ende bleibt Kohlhaas seinem barmherzigen Wesen treu, denn er überlässt Herses Mutter die Sachen ihres Sohnes und die Entschädigungszahlung, die er aus dem Prozess gegen Wenzel von Tronka erhält (S.84). Aufgrund dieser großmütigen Haltung stehen seine Knechte „treu […] wie Gold“ (S.26) zu ihm.

Fürsorglich und gekränkt

Er ist außerdem ein fürsorglicher Familienvater, der sogar sein „erkranktes Kind mit Semmel und Milch fütterte“ (S.67). Seine Rolle als redliches Familienoberhaupt spielt er später auch, als er bei einem Verhör zwei seiner Söhne „auf dem Arm“ (S.83) hält und somit das Bild des liebenden, ordentlichen Familienvaters vermitteln will. Dass er seine Kinder derartig instrumentalisiert, liegt darin begründet, dass er seinem „Hauswesen, als ein ordentlicher Vater vorzustehen“ als „untergeordnet und nichtswürdig“ (S.20) erachtet. Viel wichtiger ist ihm seine Rolle als Staatsbürger. Dass er diese Rolle über die des Familienvaters stellt, wird besonders dann ersichtlich, wenn nach der zweimaligen Ablehnung seiner Klage die Rede davon ist, dass er „keine Freude mehr, weder an seiner Pferdezucht, noch an Haus und Hof, kaum an Weib und Kind“ (S.19) hat. Das bedeutet, dass die Erschütterung seiner Rechtsposition als Staatsbürger ihm derartig wichtig ist, dass ihm, wenn sie bedroht wird, nichts mehr wichtig ...

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