Martin Luther

Die integre Autorität

Kleist hat bei der Konzeption der Figur Martin Luthers sicherlich auch an die historische Persönlichkeit gedacht. Jedoch kann der Martin Luther des Textes nicht mit der historischen Persönlichkeit gleichgesetzt werden. So wie der historische Luther lebt die Figur in Wittenberg und ist über die Stadtgrenzen hinaus als Autorität anerkannt. Er hat ein „Ansehn, das ihm seine Stellung in der Welt gab“ (S.34). Michael Kohlhaas ist Lutheraner und auch seine Frau hat „nach dem Beispiel ihres Mannes“ die „lutherische[] Religion“ angenommen (S.24). Auch die Kurfürsten hängen dem „eben damals aufkeimenden Glauben“ (ebd.) an, sie sind also Protestanten.

Luther leidet direkt unter dem Rachefeldzug von Michael Kohlhaas, denn dieser lässt Wittenberg  anzünden. Dadurch und aufgrund der Gewaltsamkeit von Kohlhaas will er den Pferdehändler wieder „in den Damm der menschlichen Ordnung zurückzudrücken“ (S.34). In einem Aufruf, der überall angeschlagen wird, erinnert er Kohlhaas daran, dass er Untertan sei und seine Sache der Obrigkeit überlassen solle. Er bezeichnet Kohlhaas als „Rebell“, „Heillose[n] und „Gottvergessene[n]“, der sich irgendwann vor „Gottes Thron“ verantworten müsse (S.35). Als Kohlhaas den Aufruf liest, ist er erschüttert, denn er verehrt Luther. Der mit dem „teuersten und verehrungswürdigsten Namen, den er kannte“ (S.36) unterzeichnete Aufruf veranlasst Kohlhaas, sich unverzüglich nach Wittenberg zu begeben und die Aussprache mit Luther zu suchen....

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