Kurfürst von Brandenburg

Ein integerer Wohltäter

Der Kurfürst von Brandenburg ist Michael Kohlhaas Landesherr und regiert von Berlin aus über Brandenburg. Er verfügt über einige Macht, denn in der Ständeordnung des Mittelalters gelten die Kurfürsten als von Gott eingesetzte Herrscherinstanzen und sind somit niemandem in der irdischen Welt Rechenschaft schuldig. Die Figur verweist jedoch auf keine historisch verbürgte Persönlichkeit. Er repräsentiert einen ruhigen, souveränen Herrscher, der dem Kurfürsten von Sachsen feindlich gegenübersteht, was am Ende Kohlhaas zum Vorteil gereicht. Daher ist er auch der Wohltäter für Kohlhaas. Allerdings erschöpft sich seine Figur nicht darin, sie ist facettenreicher und komplexer angelegt als eine einfache Helferfigur für den Hauptprotagonisten.

Nachdem die erste Klage von Kohlhaas in Sachsen gescheitert ist, setzt er auf die Hilfe des  Kurfürsten von Brandenburg. Er bezeichnet den Kurfürsten schon sehr früh als „gerecht“ (S.22). Die Hoffnung, der Kurfürst würde in Kohlhaas’ Sache gegen Wenzel von Tronka Recht sprechen, wird am Anfang jedoch gleich zwei Mal enttäuscht. Die erste Klage wird in Berlin abgewiesen. Der Kurfürst von Brandenburg stürzt Kohlhaas unwissentlich ins Unglück, als er dessen Bittschrift an den Kanzler Graf Kallheim übergibt, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass dieser „mit dem Hause derer von Tronka verschwägert“ (S.19) ist. Der Junker von der Tronkenburg nimmt so Einfluss in Berlin und somit wird die Angelegenheit unterdrückt und Kohlhaas als „unnützer Querulant“ (ebd.) kaltgestellt. Als Lisbeth Kohlhaas nach Berlin reist, um dem Fürsten Kohlhaas’ Bittschrift persönlich zu übergeben, wird sie von der Lanze einer Wache getroffen und stirbt infolge ihrer Verletzungen. Am Tag der Beerdigung seiner Frau erhält  Kohlhaas gar eine „landesherrliche Resolution“, die ihn auffordert, „bei Strafe, in das Gefängnis geworfen zu werden“, die Sache ruhen zu lassen (S.25).

Bis hierhin ist der Fürst also wie der Kurfürst von Sachsen einzuschätzen, denn er kümmert sich wie der Herrscher in Dresden nicht um die Vergehen des Wenzel von Tronka und das Unrecht, das Kohlhaas widerfährt. Allerdings erweist sich diese Einschätzung als falsch. Als ein Freund von Kohlhaas, der Stadthauptmann Heinrich von Geusau, dem Kurfürsten von den Ereignissen berichtet, setzt er Kallheim „mit mehreren Zeichen seiner Ungnade“ (S.64) ab und Geusau als neuen Kanzler ein. Das verdeutlicht, dass sich der Kurfürst konsequent gegen Korruption einsetzt und sich somit von anderen Adelsfiguren (z.B. Hinz und Kunz von T...

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