Junker Wenzel von Tronka

Spiel und Zerstreuung

Junker Wenzel von Tronka ist der junge Besitzer einer „stattlichen Ritterburg auf sächsischem Gebiet“ (S.7), der Tronkenburg, und zwar an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachen an der Elbe. Er ist der Cousin des Mundschenks des Kurfürsten von Sachsen (Hinz von Tronka) und des Kämmerers des Kurfürsten von Sachsen (Kunz von Tronka) in Dresden. Außerdem ist er mit dem Großkanzler des Kurfürsten von Brandenburg in Berlin, Graf Kallheim, „verschwägert“ (S.19). Er hat mit Antonia von Tronka auch eine Tante, die Äbtissin des Frauenstifts in Erlabrunn ist. Der Junker ist dem niederen Landadel zuzuschreiben. Er arbeitet nicht für seinen Ruhm, sondern ruht sich auf seiner Standesposition aus. Junker Wenzel erweist sich nicht als ein ernsthafter Adliger und ist durch die Darstellung seines Müßiggangs eine negativ gezeichnete Figur. Er hat sich einem Lebenswandel voller Leichtigkeit und Zerstreuung verschrieben, denn er interessiert sich für Gesellschaften mit „munteren Fremden“ (S.8), das „Spiel“ (S.26), für die „Hasenhetze“ (S.12) oder er sitzt „mit einigen muntern Freunden, beim Becher“ (S.8). Als er von der Jagd auf die Tronkenburg zurückkehrt, ist sein erster Gedanke auf den Alkohol gerichtet („Schafft Wein!“, S.12). Er präsentiert sich nicht wie ein souveräner, würdevoller Herrscher, denn er kann sich nicht einmal Wamst und Hemd selbst anziehen. In Dresden verliert er gar seinen Helm, „ohne ihn zu vermissen“ (S.32). Ein Ritter muss ihm diesen dann wieder aufsetzen.  

Zwei Pferde im Pfand

Als Kohlhaas an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachen festgehalten wird, macht er ein „landesherrliches Privilegium“ (S.7) geltend und interessiert sich mit seinem Gefolge nur für die Pferde von Kohlhaas. Er erteilt seinen Untergebenen freie Hand dahin gehend, sich die Pferde unrechtmäßig anzueignen. Er sagt, er wolle „für den Schweißfuchs wohl, aber nicht eben für die Rappen, Geld ausgeben“ (S.9). Das ist die indirekte Aufforderung, der Pferde ohne Bezahlung habhaft zu werden. Dennoch erscheinen seine Untergebenen dominanter. Das zeigt sich an den Körpern der Figuren. Während der Burgvogt einen „weitläufigen Leib“ (S.8) hat, b...

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