Symbole und Motive

Die Rappen

Die beiden Rappen, die Wenzel von Tronka Michael Kohlhaas entwendet, sind zuerst der Anlass und der Gegenstand für den folgenden Rechtsstreit und den Rachefeldzug des Kohlhaas. Auf einer tieferen Ebene spiegeln sie darüber hinaus aber auch Kohlhaas` inneren Zustand und seine Status als Staatsbürger wider.

Am Anfang wird Michael Kohlhaas ein angesehener, integrer und tüchtiger Mann beschrieben. Dementsprechend werden die Pferde beschrieben: Sie sind „wohlgenährt und glänzend“ (S.7) und selbst Wenzel von Tronka und sein Anhang vertreten die Meinung, „dass die Pferde wie Hirsche wären, und im Lande keine bessern gezogen würden“ (S.9). Durch den Betrug des Junkers werden sie zum Streitobjekt und repräsentieren die veränderte Selbstwahrnehmung des Protagonisten. Er ist nun in seiner Integrität als Rechtsperson angegriffen und wird nicht mehr durch die Gesetze geschützt, was für ihn als Händler unabdingbar ist. Daher werden die Pferde, nachdem sie auf der Tronkenburg für die Feldarbeit missbraucht wurden, auch als „ein paar dürre, abgehärmte Mähren“ (S.11) geschildert, die „das wahre Bild des Elends im Tierreich“ (ebd.) repräsentierten. Damit geht Michael Kohlhaas` Wahrnehmung einher, der in dem Betrug einen Angriff auf seine Menschenwürde sieht. Er bemerkt: „Lieber ein Hund sein, wenn ich von Füßen getreten werden soll, als ein Mensch!“ (S.22)

Als Michael Kohlhass dann den Rechtsweg verlässt und sich anschließend von Martin Luther wieder zur Vernunft bringen lässt, erblickt er die Tiere in Dresden im Besitz eines Abdeckers. Die Tiere sind nunmehr nur noch Schindmähren, was das Volk höhnisch feststellt („[...] unter unendlichem Gelächter einander zurufend, dass die Pferde schon, um derenthalben der Staat wanke, an den Schinder gekommen wäre [...]“, S.48). Die Pferde sind nun „jämmerliche Tiere“ (ebd.), die „alle Augenblicke sterben zu wollen“ (ebd.) scheinen. Sie verdeutlichen nun den Verlust der moralischen Integrität des Kohlhaas, der sich nach seinen Gewaltexzessen nicht mehr auf das Recht berufen kann. Das Volk wendet sich demgemäß auch von ihm ab und will lieber ein „offenbares Unrecht“ geschehen lassen, als dem „rasenden Starrsin[]“ des Pferdehändlers nachgeben. Michael Kohlhaas ist nun ebenso wie seine Pferde auf dem Tiefpunkt angelangt.

Erst mit dem juristischen Sieg über Wenzel von Tronka ist Michael Kohlhaas moralische Integrität wiederhergestellt. Daher erscheinen die Pferde auch wieder in voller Pracht, als „von Wohlsein glänzende[], die Erde mit ihren Hufen stampfende Rappen“ (S.83). Zwar sühnt Kohlhaas mit seinem Tod das Unrecht, das er durch seinen Rachfeldzug begangen hat, auf der moralischen Ebene geht er aber als Sieger aus dem Kampf hervor.

Neben dieser Symbolik repräsentieren die Rappen aber auch Kohlhaas` radikalen, absoluten Rechtsbegriff. Schon während seines Überfalls auf die Tronkenburg reagiert Kohlhaas auf die Frage eines Knechts, „was er mit den Tieren nun anfangen solle“ (S.27), aggressiv und tritt ihn „mit einer fürchterlichen Gebärde“ (ebd.) fast zu Tode. Somit kann hier schon erkannt werden, dass die Figur erkennt, dass sein Handeln nicht in Relation zum begangenen Unrecht steht. Diese Diskrepanz nicht ertragend, schaut er die Tiere während der Abdecker-Szene auch nur „flüchtig“ (S.50) an. Dass die Rappen davor nicht auffindbar sind, zeigt, dass Kohlhaas den Anlass für seinen Kampf längst aus den Augen verloren hat und nur noch seinem verabsolutierten Rechtssinn folgt.

Das Amulett

Das Symbol des Amuletts wird in die Handlung eingeführt, nachdem die Rappen aus dem Blickfeld des Lesers verschwunden sind. Es enthält die Prophezeiung der Z...

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