Gespräch mit Luther

Die Verletzung des Gesellschaftsvertrags

Im Gespräch zwischen Michael Kohlhaas und Martin Luther prallen zwei gegensätzliche Standpunkte aufeinander, die das Funktionieren eines Staates betreffen. Daher kann dieser Dialog als eine Art staatsphilosophische Abhandlung betrachtet werden. Michael Kohlhaas begegnet Martin Luther mit Arroganz und Hochachtung, denn er zwingt den Theologen „mit einem Paar Waffen“ (S.36) zu einem Gespräch, spricht ihn gleichzeitig aber mit „Hochwürdiger Herr“ (S.37) an.

Michael Kohlhaas beharrt starrsinnig auf seiner Forderung nach Gerechtigkeit und erwartet von Luther, dass er ihm „freies Geleit“ (ebd.) nach Dresden verschafft, um seine Sache nochmals am Hofe vorzutragen. Er betrachtet sich noch immer als Opfer. Sein anfänglicher Anspruch, seine Rechtssache zu gewinnen, um auch „seinen Mitbürgern“ (S.13) einen Dienst zu erweisen, drückt er im Gespräch mit Luther aber nicht mehr aus. Sein Anliegen hat sich vollständig auf die Vergeltung für seine persönliche Kränkung reduziert. An diesem Punkt wird offenbar, welche Standpunkte die beiden Figuren vertreten. Michael Kohlhaas hält es für legitim, Widerstand gegen die Obrigkeit zu leisten, wenn diese nicht das Recht des Einzelnen schützt, „denn dieses Schutzes […] bedarf“ er. Sollte er als Rechtsperson verletzt werden, so gebe ihm die Obrigkeit selbst „die Keule, die mich selbst schützt, in die Hand.“  Dies ist ein klarer Bezug auf Jean-Jacques Rousseaus „Le contrat socia...

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