Frauenbild

Hausfrauendasein und Mitbestimmung

„Die Marquise von O...“ ist eine Novelle von Heinrich von Kleist, die von einer unbewussten, unehelichen Schwangerschaft einer adeligen Frau, der Titelheldin, handelt, aufgrund derer ihr Leben in starke Turbulenzen gerät. Es werden in dieser Geschichte einige Aspekte des Frauenbildes zu der Zeit der Handlung, also um 1800, beleuchtet, wobei sich die Darstellung auf die adelige Gesellschaftsschicht bezieht, aus der die Protagonistin stammt.

Zunächst wird die Marquise von O... als eine „Dame von vortrefflichem Ruf“ charakterisiert (S. 3), was bedeutet, dass die folgenden Beschreibungen dessen, wie sie ihr Leben normalerweise lebt, dem als positiv aufgefassten Frauenbild dieser Zeit entsprechen.

Die Marquise beschäftigt sich mit Kunst und Lektüre, sie ist also gebildet auf den Gebieten, die für Frauen (durchaus häufig auch heute noch) als gendertypisch aufgefasst werden.  

Ihr wird von ihrem Vater auch eine besondere Klugheit zugebilligt. Doch ihre Bildung verwendet sie zu nichts, als sie aus Interesse zu pflegen. Sie hat keinen Beruf, sondern kümmert sich um die Erziehung ihrer eigenen Kinder und „ihrer Eltern Pflege“ (S. 3). Damit sind die Familienangehörigen nicht nur einverstanden, sondern sie halten es auch für selbstverständlich und richtig, dass eine erwachsene Frau diesen häuslich-familiären Tätigkeiten nachgeht. Denn die Marquise, die bereits von ihren Eltern weggezogen und verheiratet gewesen war, wurde zur Witwe, woraufhin ihre Mutter den Wunsch äußerte, sie möge doch ins Elternhaus zurückkehren, anstatt selbstständig zu leben – obwohl die Marquise selbst bereits Kinder hat (ebd.).

Die Männer in der Adelsfamilie sind offiziell den Frauen überlegen und haben mehr Mitbestimmungsrechte. Die Obristin (die Mutter der Marquise) schafft es trotzdem, ihren Willen oft mithilfe von Geschicktheiten durchzusetzen. Doch bei der Marquise ist es eindeutig, dass der Vater und ihr Bruder mehr Rechte haben als sie. Als die Marquise dann aufgrund ihrer unehelichen Schwangerschaft verstoßen wird, ist es der Bruder, der ihr die Kinder abverlangt (S. 27). Dass er dies tut und nicht die Eltern, verdeutlicht, dass er einen höheren Stand in der Familie hat als die Schwester. Dass der Va...

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