Menschenbild und Botschaft

Im paradiesartigen Tal verhalten sich die Menschen gut zueinander. Hier sind alle gleich, alle helfen sich gegenseitig und die vorherigen Vergehen sind vergeben. Dieser harmonische Ort könnte auch als Naturzustand angesehen werden, wie er zum Beispiel bei dem Philosophen Jean-Jaques Rousseau besprochen wird. Es handelt sich um einen Zustand vor der Zivilisation.

Kleists Erzählung Das Erdbeben in Chili scheint auch mit Rousseaus Auffassung übereinzustimmen, dass der Mensch erst einmal gut ist und von Mitleid angetrieben wird. Außerdem fällt hier auf, dass durch den Verlust des weltlichen Besitzes auch die Hierarchien verschwunden sind. Die Naturkatastrophe, aber auch das erfahrene Leid machen die Menschen gleich. In dieser Situation zeige sich der ”menschliche Geist”, der ”wie eine schöne Blume” aufgehe (Kleist, S. 18). Dies Faktum verdeutlicht, dass der Mensch das Gute in sich trägt und dass die Menschen sich vor allem in Extremsituation gegenseitig helfen. Es wird sogar behauptet, die Überlebenden im Tal seien durch das Unglück ”zu einer Familie” (Kleist, S. 19) geworden. Die Leute erzählen sich gegenseitig Geschichten von heldenhaften Taten der Menschen, die einander gerettet haben.

Allerdings stellt die viel verwendete ”Als-ob”-Konstruktion bei der Beschreibung der...

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