Gottes Willen und Strafe

Die zentrale Frage

Da das Erdbeben genau in dem Moment einsetzt, als Josephe erhängt werden soll und Jeronimo sich das Leben nehmen will, werden die beiden wie durch ein Wunder gerettet. Ihre Rettung könnte als Gottes Handlung eingeordnet werden, der in dem Moment einschreitet, als das unschuldige Paar kurz vor seiner Urteilsvollstreckung steht. Gleichzeitig werden die regierenden Institutionen, die es ihnen verboten haben, ein Paar zu sein, durch die Naturkatastrophe zerstört. Ihre Vernichtung könnte man dann als Gottes Strafe für die Verurteilung unschuldiger Menschen interpretieren (siehe auch Abschnitt „Gesellschaftskritik“).

Später jedoch macht der Chorherr in seiner Predigt in der Kirche nach dem Erdbeben Josephe und Jeronimo für das Erdbeben verantwortlich. Ihre Sünden hätten die Strafe Gottes herausgefordert und somit die Katastrophe über die Stadt gebracht. Die Frage, ob das Erdbeben eine Strafe Gottes in Kleists Erzählung Das Erdbeben in Chili ist, ist zentral und folgenschwer.

Mehrere Deutungen

Die Thematisierung des Willen Gottes weist auf die Frage nach der Theodizee hin (siehe auch Abschnitt „Epoche. Theodizeefrage“). Angesichts des Schreckens und des Leides, die das Erdbeben verursacht, stellt sich die Frage, wie Gott ein solches Unheil zulassen kann. Durch solch ein Ereignis wurde damals der Glaube an einen allmächtigen, allwissenden und guten bzw. gerechten Gott erschüttert.

In der Erzählung wird verdeutlicht, wie die Menschen versuchen, sich das schreckliche Ereignis, bei dem viele Menschen das Leben verloren haben oder verletzt worden sind, zu erklären. Sie versuchen, den Glauben an einen guten allmächtig...

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