Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Das Erdbeben in Lissabon

Am 1. November 1755 ereignete sich in Lissabon (Portugal) am katholischen Feiertag Allerheiligen ein starkes Erdbeben. Aufgrund seiner Stärke, der großen Zerstörungen und der zahlreichen Opfer wurde in allen europäischen Ländern darüber berichtet. Es galt als ein „weltgeschichtliches Ereignis“, weil überall davon gesprochen wurde (Appelt; Grathoff 1986, S. 50). Durch die Ausmaße des Erdbebens und die große öffentliche Aufmerksamkeit wurde eine philosophische Diskussion um die Frage ausgelöst, ob ein solches Unglück wirklich Gottes Wille sein kann (siehe Abschnitt „Theodizee“).

Ständegesellschaft und Heirat

Die Erzählung spielt im Jahr 1647, also Mitte des 17. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit herrscht in Chile eine starke konservative Ständegesellschaft, die in Klerus (Geistlichkeit), Adel und die unteren Stände, wie Bürgertum und Bauern, eingeteilt ist. Diese Ständegesellschaft ist auch im 18. Jahrhundert zu Kleists Zeit zum Teil noch in Deutschland zu finden. Erst durch die Französische Revolution (1789-1799) gerät sie ins Wanken.

Der jeweilige Stand bestimmt damals die gesellschaftliche Stellung und die dem jeweiligen Menschen zustehenden Rechte. Der Stand wird dabei durch die Geburt, also durch die Familie, bestimmt. Kleist selbst gehört noch der Adelsschicht an. Seine Familie zählt zum preußischen Landadel (Gröble 2004, S. 49).

In der Erzählung Das Erdbeben in Chili verdeutlicht der Adelstitel „Donna“, dass Josephe dem Adel angehört. Zudem wird betont, dass ihr Vater Don Henrico Asteron einer der „reichsten Edelleute...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen