Entstehung

Inspirationsquellen und Entstehungsgeschichte

Heinrich Manns Arbeit an dem Roman beginnt im Jahr 1906 mit ersten Notizen. Der Schriftsteller selbst äußert sich hinsichtlich seiner Inspiration und Grundidee zu dem Roman in dem Essay „Ein Zeitalter wird besichtigt“: „1906 in einem Café Unter den Linden betrachtete ich die gedrängte Menge bürgerlichen Publikums. Ich fand sie laut und ohne Würde, ihre herausfordernden Manieren verrieten mir ihre geheime Feigheit. Sie stürzten massig an die breiten Fensterscheiben, als draußen der Kaiser ritt. (...) Ich brauchte sechs Jahre immer stärkere Erlebnisse, dann war ich reif für den ’Untertan’, meinen Roman des Bürgertums im Zeitalter Wilhelm des Zweiten.“[1]

Im Sommer 1906 hält er sich in einem Freiluftsanatorium im Harz auf, in dem er „die Figur, die er sofort den ‚Untertan‘ nannte, nackt in einem Luftbad“[2] beobachten konnte.

Damit ist die Grundidee für den Roman geschaffen: Die Auseinandersetzung mit der wilhelminischen Zeit und eine Romanfigur, die den typischen bürgerlichen Deutschen der Epoche widerspiegelt.

Der Protagonist des Romans steht Heinrich Mann von Anfang an deutlich vor Augen. Das Notizbuch, in dem er von 1906 bis Mitte 1907 die ersten Aufzeichnungen zu seinem Romanprojekt notiert, enthält folgende Beschreibung: ”dieser widerwärtige interessante Typus des imperialistischen Untertanen, des Chauvinisten ohne Mitverantwortung, des in der Masse verschwindenden Machtanbeters, des Autoritätsgläubigen wider besseres Wissen und politischen Selbstkasteiers”.[3]

Doch das Werk reift nur langsam heran und die Arbeit zieht sich über Jahre hin. Darüber hinaus betreibt Mann intensive Recherchen, um die Lebensbereiche, die er nicht aus eigener Anschauung kannte, realistisch darstellen zu können. So besucht er zum Beispiel eine Papierfabrik in München, informiert sich über die Strafprozessordnung und besucht eine Provinzaufführung des ”Lohengrin” in Augsburg.

In seinen Memoiren ”Ein Zeitalter wird besichtigt” erwähnt Mann den langen Entstehungsprozess: ”Auch die Romane, in denen ich das Zeitalter besichtigte, brauchten viel W...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen