Wolfgang Buck

Schöngeist ohne Überzeugungen

Wolfgang Buck ist der Sohn des alten Herrn Buck, des angesehensten Bürgers von Netzig und Vorsitzenden der freisinnigen Partei. Seine Mutter, eine Schauspielerin jüdischer Herkunft, ist bereits verstorben. Er ist „dick, offenbar noch jung, mit einem großen, weichen Hut, sonst elegant und die Fusse setzte er einwärts“ (S. 203).

Sehr zum Kummer seines Vaters fehlen ihm Entschlusskraft, Willensstärke und politische Überzeugung. Wolfgang mache „leider dumme Streiche“ (S. 117), meint der alte Buck, weshalb er ihn mit Guste Daimchen verheiraten will, damit er „ruhiger“ (S. 117) wird. 

Wolfgang studiert Jura in Berlin, wo er eine Affäre mit einer Schauspielerin hat, obwohl er in Netzig mit Guste Daimchen verlobt ist. Er absolviert gerade seinen einjährigen Militärdienst, als er – auf Befehl des Vaters – im Mai 1892 seinen ehemaligen Schulfreund Diederich besucht. Diederich hat dem „Schöngeist“ (S.82) Wolfgang schon als Kind deshalb misstraut, weil dessen Deutschaufsätze „zu geistreich waren“ (S.82).

Nun hat Diederich gefestigte christlich-nationale Ansichten, während Wolfgang sich in allen politischen Lagern umschaut hat: „Manchmal möchte ich nämlich General werden und manchmal Arbeiterführer. Auf welche Seite ich schließlich fallen werde, darauf bin ich selbst neugierig“ (S. 80), erzählt er Diederich und trinkt ein Glas Kognac nach dem anderen.

„Ein ekelhafter Mensch“ (S. 80), denkt Diederich und kann nicht fassen, dass Wolfgang behauptet, der Kaiser spiele nur eine „Rolle“ (S. 81). Doch nach Wolfgangs Auffassung gibt es keine bedeutenden Persönlichkeiten mehr, „Zukunft hat nur die Masse“ (S. 81) und jeder spielt nur noch eine Rolle. Ihm bleibe nur übrig, nach seinem Examen „Rechtsanwalt zu spielen“ (S.82).

Auch Wolfgangs dicklicher, weicher Körperbau gefällt Diederich nicht und er beäugt das „fleischige Gesicht mit der weich gebogenen Nase und den feucht glänzenden Augen“ (S.82) mit Feindseligkeit.

Der Schauspieler als repräsentativer Typus der Zeit

Bei Diederichs und Wolfgangs nächstem Gespräch haben beide ihr Erwachsenenleben in der Heimatstadt begonnen, Diederich als Papierfabrikbesitzer und Wolfgang als Rechtsanwalt. Diederichs Kaisertreue sei lediglich eine Phrase, behauptet Wolfgang, zu wirklichen Taten sei ihre Zeit nicht bereit, denn die Tat sei „lebensgefährlich“ (S. 206). Ein Schauspieler habe hingegen auf der Bühne alles ...

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