Diederich Heßling

Das ängstliche Kind

Diederich Heßling, der Protagonist des Romans, wächst als Sohn eines erfolgreichen Papierfabrikanten und ehemaligen Unteroffiziers in der preußischen Kleinstadt Netzig auf. Die Familie Heßling gehört zur oberen Mittelschicht und zählt zu den angesehensten Familien der Stadt. Diedrich hat zwei jüngere Schwestern, Emmi und Magda.

Diederichs Vater ist sehr streng und autoritär, aber ehrlich und gerecht. Nicht nur als Unternehmer, sondern auch im Privatleben besteht der Vater auf Pflicht und Gehorsam und agiert damit ganz im Sinne der wilhelminischen Zeit. Diederich fürchtet ihn genauso sehr, wie er ihn liebt. Seine Mutter jedoch ist sentimental, träge und naschhaft. Diederich ähnelt ihr darin und gerade deshalb verspürt er keinen Respekt vor ihr.

Diederich ist ein verträumtes, kränkliches und „weiches Kind“ (S. 9), das ständig in Angst vor höheren Mächten lebt, sei es der Vater, Gott, der Polizist, der Doktor oder das Schlossgespenst. Auch in der Schule hat Diederich den größten Respekt vor den Lehrern, die strafen und Macht ausüben. Ihnen gegenüber ist er stets „ergeben und willfähig“ (S. 12), während er „den gutmütigen [...] kleine, schwer nachweisbare Streiche“ (S. 12) spielt.

Als er auf das Gymnasium kommt, erlebt er dort „die kalte Macht“ (S. 13) als etwas Beglückendes. In der „Zugehörigkeit zu einem unpersönlichen Ganzen“ (S. 13) findet er nicht nur Befriedigung, sondern auch Genuss. Bald beginnt er selbst, dann Macht über Mitschüler auszuüben, wenn er die Lehrer hinter sich weiß. Auf diese Weise steigt Diederich zum „geheimen Aufseher“ (S. 15) in der Klasse auf.

Studium in Berlin und die Neuteutonia

Nach dem Abitur zieht Diederich nach Berlin, um dort Chemie zu studieren. Dort lernt er Agnes Göppel kennen, die Tochter eines Geschäftsfreundes seines Vaters. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen, doch aus Angst vor Agnes prahlerischem Verehrer Mahlmann kommt Diederich bald nicht mehr bei Göppels zu Besuch.

Stattdessen wird er Mitglied der Studentenvereinigung Neuteutonia und geht vollständig im Korporationsleben auf. In der Gemeinschaft Bier trinkender, singender und sich schlagender Studenten ist er keine Einzelperson mehr, sondern ein Teil eines großen, geregelten Ganzen und zieht daraus seine Ehre und Existenzberechtigung. Seinen Bierbauch und die Schmisse im Gesicht trägt er stolz als Zeichen einer neu erworbenen Mannhaftigkeit.

Tod des Vaters und Militärdienst

Nach dem Tod des Vaters unterbricht Diederich sein Studium für den einjährigen Militärdienst. Doch obwohl ihm ein Leben mit Rangordnungen, Befehlen und Gehorsamkeit zusagt und er mit „selbstmörderische[r] Begeisterung“ (S. 49) und „freudiger Unterwerfung“ (S.  51) dient, verträgt Diederich die körperlichen Strapazen des Drills nicht.

Daher bittet er seinen Hausarzt Dr. Heuteufel, ihm zu attestieren, dass er „skrofulos und rachitisch sei“ (S. 49). Doch Heuteufel verweigert ihm seine Hilfe, worauf Diederich seine Beziehungen zu den Neuteutonen nutzt und schließlich vom Dienst entbunden wird. Zurückgekehrt zu den Neuteutonen, prahlt und lügt er von seinem herrlichen Soldatenleben.

Erste Begegnung mit dem Kaiser

Nun kommt Diederich durch einen Kommillitonen mit christlich-nationalem Gedankengut in Kontakt und wird in seiner Abneigung gegen Judentum, Liberalismus und Sozialdemokratie bestärkt.

Er erlebt, wie im Februar 1892 arbeitslose Arbeiter in Berlin demonstrieren und Kaiser Wilhelm II. sich zu Pferde in die Menge hineinwagt. Be...

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