Der alte Heer Buck

Der hochangesehene Revolutionär von 1848

Der beliebte alte Herr Buck ist Magistratsrat und der ehrwürdigste Bürger der Stadt Netzig. Er hat einen weißen Knebelbart und trägt auch tagsüber Frack und Zylinder, wenn er „langsam und majestätisch“ (S. 14) zu den Versammlungen geht. Er sorgt sich um das Gemeinwohl, indem er sich um das Wohl jedes einzelnen Bürgers kümmert, und erfreut sich großer Achtung und Dankbarkeit in der Netziger Bürgerschaft.

Als Diederichs Vater stirbt, kommt der alte Buck zu ihm, um zu kondolieren, und legt Diederich ans Herz, ein guter Bürger wie sein Vater zu werden. Er mahnt ihn: „Haben Sie immer Achtung vor den Rechten Ihrer Mitmenschen! Das gebietet Ihnen Ihre eigene Menschenwürde“ (S.46).

Der alte Buck ist der Vorsitzende der freisinnigen Partei und damit ein unverhohlener Kritiker Kaiser Wilhelms II. und seiner Machtansprüche. Buck vertritt die Ideale und Ziele der Revolution von 1848: Freiheit, Gleichheit und eine Staatsmacht, die vom Volke ausgeht. Das ist die Ideologie, für die er seit seiner Jugend gekämpft hat, wofür er im Jahr 1848 sogar zum Tode verurteilt worden war.

Sein Gegenspieler Diederich kehrt von seinem Studium mit einer Ideologie zurück, die das Gegenteil vertritt. Nach seiner Auffassung geht die oberste Macht von dem von Gott eingesetzten Monarchen aus und die Gesellschaft muss hierarisch in Herren und Knechte aufgeteilt werden.

Enttäuschung über die Jugend

Mit Bestürzung erkennt der alte Buck, wie in der neuen Generation die „Pest der Knechtschaft sich verallgemeinert“ (S. 118) und die jungen Leute nicht „einem eigenen Willen folgen“ (S. 118) und damit die Volkssouveränität möglich machen, sondern sich den „Mächten der Vergangenheit“ (S. 118) ergeben und die „Sorge um das öffentliche Wohl“ (S. 118) aufgeben, um ihre „Privatinteressen“ (S. 118) zu pflegen und die „unedlen Bedürfnissen eines anspruchsvollen Genußlebens“ (S.118) zu befriedigen. Er sieht, dass die heranwachsende Generation Geld höher schätzt als Freiheit.

Diederich ist ein typischer Vertreter dieser Jugend, doch der alte Buck hofft, ihn noch auf die richtige Bahn lenken zu können, behandelt ihn daher mit der gleichen weitsichtigen Zuvorkommenheit wie seinen Vater und stellt ihm in Aussicht, ihm bei der Erweiterung seiner Papierfirma zu helfen.

„Wir dienen dem großen Ganzen, wenn wir jedem u...

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