Stil

Kontraste und Übertreibungen

Bei Heinrich Manns Roman handelt es sich um eine Gesellschaftssatire, die mit starken Kontrasten, Ironie, Übertreibung und karikierender Personenbeschreibung arbeitet und auf diese Weise politisch Stellung bezieht. Inhaltlich stehen die politischen Anschauungen von Liberalen und Kaisertreuen bereits in scharfem Kontrast zueinander. Die Opposition der beiden Parteiungen sowie der Niedergang der einen und der Aufstieg der anderen bilden den Kern des Romans.

Die Freisinnigen stehen für eine Macht, die vom Volke ausgeht, für Gemeinsinn und Menschenwürde. Die Kaisertreuen bestehen auf einer Macht, die von oben kommt, auf einer Aufteilung der Menschheit in Herren und Knechte und dringen auf die Vorherrschaft der deutschen Nation in Europa und der Welt.

Dem Gegensatz in den Anschauungen entspricht der Gegensatz in den Beschreibungen der Personen, die sie vertreten. Im Auftreten des alten Buck, des Übervaters des Freisinns, findet sich keine Spur von Härte. So trägt er zum Beispiel „keinen steifen Kragen, sondern eine weißseidene Halsbinde“ (S. 14). Seine rechte Hand, die er Diederich bei seinem Kondolenzbesuch reicht, ist „überraschend zartfleischig“ und seine Augen sehen ihn „warm“ (S. 46) an. Auch bei Diederichs Antrittsbesuch in Netzig hält Buck ihn „mit seiner Hand, die warm und dennoch leicht und weich war“ (S. 115).

Die Verehrer der Macht jedoch bekennen sich zu „einer scharfen und schneidigen Gesinnung“ (S. 126). In ihrer Schilderung überwiegen Wörter aus dem Bedeutungsfeld ‚kalt‘, ‚hart‘ und ‚eisern‘. Vom Kaiser selbst heißt es: „Tiefer Ernst versteinerte seine Züge“ (S. 61) und „Der Kaiser lächelte kalt prüfend mit den Augenfalten“ (S. 364).

Diederich übernimmt dessen Mimik und zeigt regelmäßig eine „eiserne Miene, worin es drohend blitzte“ (S. 230) oder steht in der Hochzeitsnacht „ordenbehängt, eisern und blitzend“ (S. 361) vor seiner Frau.

Die Darstellung der Kaisertreuen und ihres aggressiven Tons ist häufig überzeichnet und wird damit zur Karikatur. So ä...

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