Sprache

Sprachegestaltung

Heinrich Mann verwendet in seinem Roman „Der Untertan“ vielfältige Mittel der Sprachgestaltung. Der Erzähler berichtet in einem meist gehobenen Sprachstil und macht vielfach von einem anspruchsvollen, hypotaktischen Satzbau Gebrauch, wie beispielsweise hier: „Denn Diederich war so beschaffen, daß die Zugehörigkeit zu seinem unpersönlichen Ganzen, zu diesem unerbittlichen Organismus, der das Gymnasium war, ihn beglückte, daß die Macht, die kalte Macht, an der er selbst, wenn auch nur leidend, teilhatte, sein Stolz war“ (S. 13).

Die langen hypotaktischen Sätze stehen im deutlichen Kontrast zu den zahlreichen Dialogen, wobei der Erzähler die Handlung oft mithilfe kurzer, parataktischer Sätze beschreibt, wie hier beispielsweise: „Mein Ehrenwort, Herr Major –“ Diederich lief hinterher, „ich habe keine Anzeige erstattet, das Ganze ist ein Mißverständnis.“ Der Major war schon draußen, Diederich rief ihm nach: „Wenigstens bitte ich um Ihre Diskretion!“ Er trocknete die Stirn. „Herr Grützmacher, Sie müssen doch einsehen –“ sagte er, mit Tränen in der Stimme. Da er Wein bestellte, sah der Wirt alles ein“ (S. 179).

Die Hauptfigur Diederich Heßling verwendet oftmals eine bewusst gekünstelte Sprache, indem sie beispielsweise Fremdwörter in ihre Reden einflicht, die im Kontext aber oft unpassend erscheinen und eine satirische Wirkung erzeugen. So sagt er zu Agnes Göppel, um ihr zu versichern, dass ihre Unschuld in seinem Studentenzimmer sicher sei: „Ich weiß, was ich der Ehre meiner Korporation schulde“ (S. 68)

Auch die von Diederich oft herangezogenen Kaiser-Zitate gehören dazu (siehe Abschnitt „Montagetechnik).

Daneben verfällt Diederich oft dann in Klischees, wenn es beispielsweise darum geht, seine Treue und Ergebenheit gegenüber dem Kaiser oder seine Moralvorstellungen in Worte zu fassen. Diese formelhafte Redeweise verleiht seiner Begeisterung und seinen sittlichen Forderungen etwas Abgeschmacktes und erfüllt eine satirische Funktion wie hier: „Das strahlende Bild echt deutschen Wesens aber erhebt sich auf dem Boden des Christentums“ (S. 469) / „Glauben Sie mir, man soll in keine Familie heiraten, mit der es bergab geht. Das ist Sünde gegen sich selbst“ (S. 175) / „Aber die Rasse ist wichtiger, und für meine Söhne bin ich dem Kaiser verantwortlich“ (S. 442).

„>> Halte dich an die drei großes G<<, bedeutete er Guste. >>...

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