Erzähltechnik

Der auktoriale Erzähler

Der Roman wird von einem auktorialen Erzähler erzählt. Er berichtet über die handelnden Personen in der dritten Person und liefert dem Leser fortwährend Informationen, die das Benehmen der Figuren und die Umstände der Handlung beleuchten, wie am Anfang des Romans: „Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt. Ungern verließ er im Winter die warme Stube, im Sommer den engen Garten, der nach den Lumpen der Papierfabrik roch und über dessen Goldregen- und Fliederbäumen das hölzerne Fachwerk der alten Häuser stand“ (S. 9).

Der auktoriale Erzähler, der auch manchmal als olympischer Erzähler bezeichnet wird, behält den souveränen Überblick über das gesamte Geschehen. Er ist allwissend. Im folgenden Abschnitt aus dem ersten Kapitel hat er beispielsweise einen genauen Einblick in das Leben von Diederichs Eltern. Er weiß, was hinter den geschlossenen Türen und in den Köpfen der Figuren vorgeht: „Am Sonnabendabend war nicht immer die Wochenarbeit getan. Sie [die Mutter] klatschte, anstatt sich zu rühren, mit dem Mädchen... Und Heßling wußte noch nicht einmal, daß seine Frau auch naschte, gerade wie das Kind. Bei Tisch wagte sie sich nicht satt zu essen und schlich nachträglich an den Schrank. Hätte sie sich in die Werkstatt getraut, würde sie auch Knöpfe gestohlen haben“ (S. 11).

Der altwissende Erzähler in diesem Roman nimmt eine ironische Haltung den Figuren gegenüber ein (vgl. ironische Haltung des Erzählers), womit er wertet und Stellung bezieht. Diese persönlichen Kommentare sind in der gesamten Erzählung zu finden, wie beispielsweise in der Bemerkung: „Mit der gefühlsseligen Art seiner Frau war Heßling durchaus nicht einverstanden. Sie verdarb das Kind fürs Leben. Übrigens ertappte er sie geradeso auf Lügen wie den Diedel. Kein Wunder, da sie Romane las!“ (S. 10f.).

Hier distanziert sich der Erzähler des gesellschaftskritischen Romans ironisch von der Romanfigur, die Romane als charakterverderbend ablehnt.

Oft erscheinen die Kommentare der Erzähler in Form einer Parenthese, wie hier zum Beispiel: „Da kam man an – aber ganz anders, als die Gatt...

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