Caput 6 (VI)

Aufbau und Einleitung

Das sechste Kapitel des Wintermärchens leitet Heine mit einem Bericht über drei große Männer und ihre Hausgeister ein. Neben Niccolò Paganini (1782-1840), Napoleon Bonaparte (1769-1821) und Sokrates (469-399 v. Chr.) bekommt auch das Lyrische Ich einen geheimnisvollen Geist als Begleiter zugesellt, der seine Gedanken in die Tat umsetzt. Heinrich Heine nimmt sich hier im Rahmen des Gedichts folglich die Freiheit, auch sein fiktives Ich in den Genuss eines „Spiritus familiaris“, eines „dienstbaren Geistes“, kommen zu lassen.

Die ersten sechs Strophen des Kapitels stellen die Einleitung in die Thematik des Kapitels dar und präsentieren den Begleiter des Lyrischen Ichs. Die Strophen sieben und acht schaffen einen Bezug zu den vorangegangenen Kapiteln, indem sie den Spaziergang durch Köln aufgreifen und damit einen bereits bekannten und realitätsnahen Bezugspunkt schaffen. Darauf folgt erneut eine Art Traumsequenz: Der Dichter spricht von Strophe neun bis Strophe 18 mit seinem guten Geist. Die Rede des Lyrischen Ichs erstreckt sich über die Strophen neun bis elf. Nach einer kurzen Redeeinleitung beginnt ab Strophe zwölf die Antwort des Geistes, die bis zum Ende der Strophe anhält.

Erste Strophe

Die erste Strophe des sechsten Kapitels enthält keinen Bezugspunkt zu den vorangegangenen Ausführungen. Die Strophe berichtet davon, dass der italienische Geiger, Gitarrist und Komponist Niccolò Paganini (1782-1840), welcher der führende Geigenvirtuose seiner Zeit war, über einen „Spiritus familiaris“ verfügte, ein Begriff, der, aus dem Lateinischen übersetzt, „dienstbarer Hausgeist“ bedeutet, aber auch als guter oder treuer Freund verstanden werden kann. Dieser gute Hausgeist war für Paganini mal sein Hund, mal sein Reisebegleiter, der deutsche Schriftsteller und Sekretär Georg Harry (1786-1838).

Die ersten beiden Verse der Strophe sind durch ein Enjambement miteinander verknüpft. Auch die letzten beiden Verse verbindet ein Zeilensprung. Die erste Verszeile und die letzten Verszeilen sind in einem durchgehenden reinen Jambus verfasst, sie umschließen die im Klang abweichenden Zeilen zwei und drei. Auffällig ist die zweifache Verwendung einer Silbenwiederholung in der ersten Strophe im Eigennamen „Paganini“ sowie im Verb „begleitete“. Klangprägend ist außerdem das doppelt verwendete Adverb „manchmal“ in der dritten Verszeile.

Die Rahmenfunktion der Zeilen eins und vier wird durch den Beginn mit dem Konsonanten „D“ noch verstärkt. Das Adjektiv „selig“ in der letzten Verszeile verkündet, dass der Begleiter Paganinis bereits verschieden ist, und zwar vier Jahre zuvor. Der rührende Reim „familiaris“ – „Harrys“ verdeutlicht den Zusamme...

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