Heinrich Böll

Der deutsche Schriftsteller Heinrich Theodor Böll wurde am 21. Dezember 1917 als Kind des Schreiners Viktor Böll und seiner Frau Maria in der Kölner Südstadt geboren. Nach seinem Abitur begann er 1937 eine Buchhändlerlehre, die er aber schon bald wieder abbrach. Nachdem er sich im Sommersemester 1939 an der Universität in Köln für ein Germanistikstudium eingeschrieben hatte, wurde er im September 1939 zur Wehrmacht einberufen, in der er den ganzen 2. Weltkrieg über diente. Er überlebte den Krieg, den er in zahlreichen Briefen schilderte, und kam 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

1942 heiratete er bei einem Fronturlaub Annemarie Čech, mit der er vier Söhne haben sollte, von denen aber der erste Sohn bereits sehr früh verstarb. Böll hielt sich nach dem Krieg mit Gelegenheitsjobs über Wasser und arbeitete als Aushilfskraft bei der Stadt Köln, während seine Frau als Lehrerin über ein regelmäßiges Einkommen verfügte. Dies ermöglichte es ihm, sich auf den Beginn seiner literarischen Karriere zu konzentrieren. 1947 erschienen erste Kurzgeschichten Bölls in verschiedenen Zeitschriften. Da die zentralen Themen dieser Erzählungen der Krieg und die Entwicklungen in Deutschland nach dem Ende des 2. Weltkriegs waren, rechnet man seine frühen Werke zur Nachkriegsliteratur, die auch, je nach dem inhaltlichen Schwerpunkt, als Kriegs-, Trümmer- oder Heimkehrerliteratur bezeichnet wird.

Ausschlaggebend für Bölls schriftstellerische Karriere war eine Einladung der Gruppe 47 im Mai 1957 nach Dürkheim. Der Initiator der Gruppe, der deutsche Schriftsteller Hans Werner Richter, lud zwischen 1947 und 1967 verschiedene bekannte und unbekannte Autoren zu Treffen ein, bei denen sich die Teilnehmer gegenseitig Texte vorlasen, diese gemeinsam besprachen und konstruktive Kritik übten.

Für viele junge und unbekannte Autoren bedeutete die Teilnahme an diesen Treffen den Start zu einer großen literarischen Karriere. Die Gruppe ermittelte am Ende eines jeden Treffens in demokratischer Abstimmung einen Sieger. Böll las bei seiner ersten Teilnahme die Satire „Die schwarzen Schafe“ vor, die knapp gegen ein Werk von Milo Dor gewann, und erhielt eine Preisgeld sowie später einen Autorenvertrag bei Kiepenheuer & Witsch. Dies ermöglichte es ihm, sich in der Folgezeit voll und ganz auf seine schriftstellerische Karriere zu konzentrieren.

In den nächsten 20 Jahren verfasste Böll zahlreiche Werke. Er engagierte sich auch stark politisch und wurde 1970 zum Präsidenten des PEN-Clubs ernannt. 1972 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Im selben Jahr kam es aufgrund eines Artikels im Spiegel zu einem heftigen Konflikt, der sich auch in Bölls Werk „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ widerspiegelt: Böll hatte einen Essay über das Leben und den Werdegang Ulrike Meinhofs verfasst, in dem auch die Springer-Presse und ihr Umgang mit der Bader-Meinhof-Gruppe stark kritisiert wurden. Viele verstanden den Inhalt des Textes falsch und unterstellten ihm, linksradikale Kräfte zu unterstützen. So kam es im Juni 1972 sogar zu einer Hausdurchsuchung bei dem Autor, über die er sich heftig beschwerte.

Böll engagierte sich in den Folgejahren aktiv politisch und versuchte, gegen die politischen Probleme im eigenen Land und in Staaten, wie Polen, der Sowjetunion, und in Ländern Südamerikas vorzugehen. Diese Aktivitäten musste er aufgrund einer schweren Erkrankung einschränken, die durch seinen starken Tabakkonsum ausgelöst wurde. Dennoch engagierte er sich auch weiterhin im Rahmen der Friedensbewegungen und trat aufgrund innerkirchlicher Probleme demonstrativ 1976 aus der katholischen Kirche aus. Böll starb nach einer Operation im Juli 1985.

Bekannte Werke Bölls sind unter anderem sein Antikriegsroman „Wo warst du, Adam?“ aus dem Jahr 1951, der den Heimweg eines Soldaten von der Ostfront beschreibt, und „Ansichten eines Clowns“ (1963), das die Scheinheiligkeit und die fehlende Reflexion der Deutschen nach dem Krieg beschreibt, die nach dem Krieg plötzlich scheinbar wie aus dem Nichts ihre früheren Überzeugungen fallen ließen und sich im Wirtschaftswunder eine neue Identität suchten. Böll gilt heute als einer der wichtigsten Autoren der Nachkriegszeit.