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Die schlesischen Weber

Der erste Kampfstreit und der verzweifelte Aufstand der schlesischen Weber gegen die niedrigen Löhne und ihre zunehmende Verarmung beginnen am 3. Juni 1844, als sich eine Gruppe junger Männer im Fabrikdorf Peterswaldau vor die Villa der Fabrikantenfamilie Zwanziger versammelt und dort ein Schmählied zum Besten gibt: „Ihr Schurken all‘ / Ihr Satansbrut / Ihr höllischen Dämone / Ihr fresst der Armen Hab‘ und Gut / und Fluch wird Euch zum Lohne“. Einer der Protestierenden wird festgenommen. Daraufhin machen sich am folgenden Tag mehrere 100 Weber zur Zwanziger-Villa auf, um die Freilassung des Inhaftierten und eine Erhöhung der Löhne zu fordern. Sie dringen in die Geschäftsräume ein und verwüsten diese.

Am 5. Juni kommt es auch im benachbarten Ort Langenbielau zu Protestaktionen der Weber. Das Militär wird hinzugezogen. Elf Arbeiter sterben, doch die aufgebrachte Meute lässt sich nicht beeindrucken und schlägt die Soldaten mit Steinwürfen in die Flucht.  „Traurige Nachrichten aus Schlesien, der Aufstand der Weber im Gebirge nimmt zu, die Truppen sind zurückgedrängt worden, ungeachtet sie scharf geschossen und viele der Gegner getötet oder verwundet hatten. Man hat eiligst Verstärkungen herangezogen. Dass man den Aufstand bewältigt, ist nicht zu bezweifeln, aber welch ein Elend muss geherrscht haben!“, schreibt der Schriftsteller Karl August Varnhagen von Ense in Berlin.

Am Tag darauf wird das Militär verstärkt. 80 Weber werden in einem Strafprozess zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Der Aufstand der Baumwollweber, deren Löhne aufgrund der Konkurrenz durch sächsische und englische Großbetriebe stetig gekürzt wurden, ist damit zu einem überregionalen Thema geworden. Die Fabrikanten haben Angst vor erneuten Aufständen und erhöhen nachfolgend die Löhne.

Der junge Kommunist Karl Marx beurteilt den Aufstand der schlesischen Weber als den ersten Ausdruck des revolutionären Klassenbewusstseins des Proletariats. Auch Heinrich Heine, der mit Marx 1843 in Paris Bekanntschaft gemacht hatte, tendierte zu dieser Sichtweise in seinem „Weberlied“, welches im Jahr 1844 verfasst wurde. Die Ballade beschreibt nicht nur das Elend und die Not der Weber, sondern kritisiert auch den unbarmherzigen Gott sowie die Rolle des Königs und drängt auf drastische soziale Veränderungen.

Das politische Lied wurde zunächst unter dem Titel „Die armen Weber“ in der von Karl Marx herausgegebenen Zeitschrift „Vorwärts! Pariser deutsche Zeitschrift“ veröffentlicht. Später fand das „Weberlied“ als Flugblatt Verbreitung in den Aufstandsgebieten. Die Auflage betrug 50.000 Stück. Schließlich verfasste Heine im Jahr 1846 für Hermann Püttmanns „Album“ die bekannt gewordene revidierte Fassung, die heute den Namen „Die schlesischen Weber“ trägt.

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