Die gescheiterte Kommunikation

Trost und Schweigen

Gottfried Klausen bekommt an seinem neuen Arbeitsort in London nur eine kleine Zweizimmerwohnung zugewiesen. Um mit Xenia zusammenwohnen zu können, bittet er seinen Arbeitgeber, in ein größeres Apartment umziehen zu dürfen, was jedoch nicht geschieht, „denn sechs Wochen später bewohnte Klausen immer noch die enge Wohnung, und dass er gezwungen war, seine Frau, wenn sie miteinander telefonierten, zu vertrösten, machte die Sache auch nicht besser“ (S. 76).

Zwischen Gottfried und Xenia entwickelt sich eine einseitige Kommunikation, denn Gottfried fragt Xenia nicht, ob sie überhaupt noch mit ihm in London zusammenwohnen möchte. Stattdessen setzt er ihr Einverständnis voraus und ist der Ansicht, er müsse sie vertrösten, da es mit dem Umzug in eine größere Wohnung bislang noch nicht geklappt hat.

Als der Journalist seine Frau am Abend nach dem ersten Theaterbesuch von Shakespeares Tragödie Othello telefonisch nicht erreicht, legt er sich eine eigene Erklärung zurecht: „In sein Apartment zurückgekehrt, wählte er Xenias Nummer, ließ es lange klingeln, denn er wusste, dass sie die Angewohnheit hatte, ihr Handy in der Handtasche liegenzulassen. ›Sie hört es nicht, wenn sie in einem anderen Zimmer ist‹, dachte Klausen und beschloss, obwohl es teurer war, Xenia über das Festnetz zu erreichen. Aber auch dort meldete sich niemand.“ (S. 78).

Die sachliche Kommunikation

Als das Ehepaar am nächsten Morgen miteinander telefoniert, äußert sich Xenia nicht zu ihrer Abwesenheit am Vorabend: „Sie bedauerte, dass sie gestern nicht miteinander hatten sprechen können, nannte aber keine Gründe“ (S. 80). Gottfried reagiert wiederum nicht auf die Entschuldigung seiner Frau und fragt nicht, warum sie am Abend vorher nicht ans Telefon gegangen ist.

Da Gottfried eine größere Wohnung in Aussicht hat und möchte, dass Xenia nach London kommt, um sie zu besichtigen, sagt er seiner Frau nicht, dass er sie liebt und sich ...

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