Die Täter

Die Personen des Romans, die als überzeugte Nazis und Judenhasser dargestellt werden, stammen aus allen sozialen Schichten. Das Spektrum reicht von der Zeitungsfrau, die sich begeistert am Pogrom beteiligt, und dem Bademeister, der Friedrich angeekelt aus dem Schwimmbad rauswirft, bis zu Herrn Reschs Anwalt, der dahin gehend argumentiert, dass die Juden im Haus eine „fortwährende Belästigung im Sinne des Mieterschutzgesetzes“ seien (S.65).    

Keiner der Nazi-Sympathisanten kann seinen Judenhass in sinnvoller Weise begründen.

Der Großvater führt religiöse Gründe für seine Abneigung gegen die Juden an, indem er sagt: „Bedenkt, die Juden haben unsern Herrn ans Kreuz geschlagen“ (S.25). Doch er wird vom Vater des Erzählers direkt darauf aufmerksam gemacht, dass das wohl kaum auf die Schneiders zutreffen könne. Angesichts der Freundlichkeit, Geduld und letztendlich völligen Hilflosigkeit der jüdischen Personen im Roman bleibt der Hass der „Täter“ durchweg unerklärlich. 

Zwei Mal werden die Juden in dem Buch für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht. So äußert Herr Resch vor Gericht: „Jeder Leser des ‚Stürmer‘ weiß Bescheid über die verheerenden Zerstörungen, die unser Wirtschaftsleben, unser deutsches Wirtschaftsleben, besonders den Juden zu verdanken hat“ (S.66). Und die Ladenbesitzerin, die Friedrich fälschlich anklagt, ihre Scheibe eingeschlagen zu haben, behauptet: „Erst richten sie einem das Geschäft zugrunde mit ihren großen Warenhäusern, dann bestehlen sie einen auch noch!“ (S.51).

Der rassistisch begründete Antisemitismus, dem zufolge die Juden eine genetisch minde...

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