Die Opfer

Stütze des deutschen Staats

Friedrich und seine Eltern repräsentieren die zentralen Personen des Romans. Anhand ihres Schicksals wird die absolute Willkürlichkeit der Judenverfolgung verdeutlicht. Friedrich und der Erzähler wachsen beide zusammen mit liebevollen Eltern auf, die jeweils ganz normale freundliche Bürger sind. Der einzige Unterschied, den der Erzähler als Fünfjähriger ausmachen kann, besteht darin, dass Friedrichs Mutter die Wohnung einen Tag eher putzt als seine eigene Mutter. Die Schneiders haben deshalb einen wirtschaftlichen Vorteil, weil Herr Schneider als Beamter eine gute Stellung hat, während die Familie des Erzählers wegen der Arbeitslosigkeit des Vaters sich viel versagen muss. Doch sind Schneiders auch nicht reich.

Das Bild der jüdischen Gesellschaft wird nur durch ein paar Figuren erweitert. So trifft der Leser den Kinderarzt Dr. Askenase, den Schreibwarenhändler Abraham Rosenthal und den Rabbi. Der Besitzer des jüdischen Kaufhauses, in dem Herr Schneider eine Stellung als Abteilungsleiter bekommt, tritt nicht persönlich auf.[1] Die Juden des Romans sind als Händler, Beamte oder Akademiker ehrbare Stützen der deutschen Gesellschaft. Wie reagieren sie auf die wachsende Diskriminierung? Sie ertragen geduldig und demütig die Entrechtungen und den Hass, der ihnen entgegengebracht wird, und erklären das, was ihnen zustößt, als eine Prüfung, die Gott ihnen auferlegt.

Als Dr. Askenases Praxisschild an einem Samstag mit dem Wort „Jude“ beschmiert wird, beschließt er, den Sabbat zu heiligen und bis zum nächsten Tag zu warten, um die Schmiererei zu entfernen. Als der Vater des Erzählers Herrn Schneider im Treppenhaus abfängt, um ihn vor zukünftigen Ereignissen zu warnen und ihm dringend nahezulegen, Deutschland zu ver...

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