1939-1945 - Zweiter Weltkrieg und Holocaust

Neuer Lebensraum und Anschluss

Im September 1939 fällt die deutsche Wehrmacht in Polen ein. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs, der weltweit 55 Millionen Menschen das Leben kosten wird, markiert zugleich den Beginn des größten Völkermords der Geschichte, die Ermordung von sechs Millionen Juden.

Die NS-Regierung hat den Krieg von Anfang an geplant und hat seit der Machtübernahme konkret darauf hingearbeitet. Die Rüstungsausgaben sind von Jahr zu Jahr gestiegen, KZ-Häftlinge werden als billige Arbeitskräfte herangezogen und jüdisches Eigentum für die Finanzierung „verstaatlicht“.

Das Ziel des Krieges soll es nicht nur sein, diejenigen Gebiete zurückzuerobern, die Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg verloren hat, sondern auch für das deutsche Herrenvolk „Lebensraum“ im Osten zu schaffen und ein „Großgermanisches Reich“ zu gründen, das bis zum Ural reichen soll. 

Noch in den Friedenszeiten hat Hitler den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich durchgesetzt (April 1938), er bekommt von Frankreich und Großbritannien das Sudetenland zugesprochen, das zuvor zur Tschechoslowakei gehörte (September 1938), und reißt im März 1939 schließlich die „Rest-Tschechei“ an sich. Die internationale Gemeinschaft hat Hitler die Gebietserweiterungen gestattet, und zwar in der Hoffnung, einen Krieg zu verhindern, doch hat sie seine Macht- und Gebietsansprüche unterschätzt. 

Einmarsch in Polen und Judenghettos

Mit dem Einmarsch in Polen beginnt ein Krieg, der vom ersten Tag an ohne jegliche Rücksicht auf Menschenleben geführt wird – im Gegenteil. Die ersten Ziele der Luftwaffe sind keine Militäreinrichtungen oder Industriestandorte, sondern Ortschaften und in diesen auch Krankenhäuser. Der Befehl lautet, diese Orte zu „vernichten“. 

Am 27.9. kapituliert Polen angesichts der deutschen Übermacht und das polnische Territorium wird zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt.[1] Die Hitler-Regierung gliedert das neu eroberte Gebiet in zwei Teile. Der westliche Teil soll „germanisiert“ werden. Das heißt zum einen, dass Deutsche in dieses Gebiet umgesiedelt werden sollten, und zum anderen, dass die polnische Bevölkerung (die 80 % ausmacht) und alle Juden (550.000 Menschen) aus diesem Gebiet vertrieben bzw. in die zentralpolnischen Gebiete deportiert werden sollen. 

In Zentralpolen wird das sogenannte „Generalgouvernement“ gegründet und unter die Führung von Hans Frank gestellt, einem rassistischen Fanatiker ohne jeden Skrupel. Um jeden Widerstand im Keim zu ersticken, wird die polnische Führungsschicht entweder in KZs interniert oder direkt erschossen.[2]

An den Erschießungen und Misshandlungen sind nicht nur die SS und die Polizei beteiligt, sondern auch die Wehrmacht, d.h. durchschnittliche Deutsche im Soldatendienst. Tatsächlich werden in den nächsten Monaten Tausende von Menschen unter erbärmlichen Bedingungen in das Generalgouvernement verfrachtet, teils zu Fuß im tiefsten Winter, sodass viele bereits auf dem Weg dorthin umkommen.

Die Engpässe im Transportsystem und die Meldungen in der internationalen Presse führen dazu, dass die Deportationen im Frühjahr 1940 zunächst gestoppt werden. Stattdessen werden in allen größeren polnischen Städten Judenghettos eingerichtet. Die Polen und Juden werden enteignet und als Zwangsarbeiter im Deutschen Reich eingesetzt.

Mit Kriegsbeginn werden die Auflagen für die Juden im Deutschen Reich weiter verschärft. Die jüdischen Gemeinden müssen sich um den Bau eigener Luftschutzräume kümmern, die Juden wird ein Ausgehverbot ab 22 Uhr erteilt, ab Januar 1940 werden ihre Lebensmittelrationen gekürzt und ihre Lebensmittelkarten mit einem „J“ markiert. Ebenso wie in Polen werden die Juden von der übrigen Bevölkerung getrennt und müssen in „Judenhäusern“ leben. Darüber hinaus müssen sie Zwangsarbeit leisten, größtenteils ohne Lohn oder Versicherungsschutz.

Besetzungen und „Madagaska-Projekt“

Anfang April 1940 besetzt die deutsche Armee Dänemark und Norwegen und nimmt innerhalb weniger Tage Belgien und die Niederlande ein. Am 14. Juni marschieren deutsche Truppen in Paris ein und in der Folgezeit werden Nordfrankreich und die Atlantikküste unter deutsche Militärverwaltung gestellt. Hitler ist nun auf dem Höhepunkt seiner Macht. 54.000 deutsche Soldaten sind bisher gefallen, 180.000 sind verwundet und 26.000 werden vermisst.

Mitte Mai 1940 beginnen die britischen Luftangriffe auf deutsche Großstädte, die zu großflächiger Zerstörung führen und zahlreiche zivile Todesopfer fordern. Das nächste Ziel der deutschen Heeresführung ist dementsprechend die Niederlage Großbritanniens. Ab Anfang August 1940 bombardiert die Luftwaffe zunächst militärische und industrielle britische Ziele, doch erleidet die Luftwaffe dabei erhebliche Verluste, ohne dass sie die Luftüberlegenheit erreicht. Sie geht zu schweren Bombardierungen britischer Städte über, die Tausenden von Zivilisten das Leben kosten, doch lassen sich die Briten nicht besiegen. Hitler muss anerkennen, dass die Invasion Großbritanniens - zumindest vorerst - gescheitert ist.

Der Misserfolg gegen Großbritannien bringt es mit sich, dass die NS-Regierung das sogenannte „Madagaska-Projekt“ aufgeben muss. Es lagen bereits konkrete Pläne dafür vor, vier Millionen europäische Juden nach Madagaskar zu deportieren. Dieser Plan setzte jedoch voraus, dass die Seemacht Großbritannien besiegt war.

Stattdessen wird im Frühling 1940 eine andere Volksgruppe deportiert: Die in Deutschland lebenden Sinti und Roma, die bereits in Lagern interniert sind und Zwangsarbeit leisten, werden in das „Generalgouvernement“ in Polen transportiert, wo viele im folgenden Winter erfrieren, verhungern oder an Krankheiten sterben.   

Das Unternehmen Barbarossa und die Niederlage

Da es nun doch nicht zu einer Invasion Großbritanniens kommt, wird stattdessen nun der Angriff auf die Sowjetunion, das „Unternehmen Barbarossa“, vorbereitet. Für Hitler bedeutet der Krieg gegen die Sowjetunion den Krieg gegen den „jüdis...

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