1933 - Jahr der Machtübernahme

Ernennung Hitlers zum Reichskanzler

Bei der Reichtagswahl am 31.7.1932 wird die NSDAP mit 37,3 % stärkste Partei, auch die KPD gewinnt wieder Stimmen hinzu, während die bürgerliche Mitte deutlich verliert. Hitler hofft nun, vom Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt zu werden. Doch dieser überträgt Franz von Papen die Regierungsverantwortung. Die SA, der organisierte Schlägertrupp der Nationalsozialisten, lässt besonders in Norddeutschland ihrer Enttäuschung freien Lauf. Es kommt zu Brandstiftungen, Zerstörungen von jüdischen Geschäften, Körperverletzungen und zwei Morden an Kommunisten.

Die neue Regierung unter von Papen sieht sich einem Parlament gegenüber, dessen Mehrheit aus den links- und rechtextremistischen Parteien besteht, die tödlich miteinander verfeindet sind, und das demokratische System der Weimarer Republik abschaffen wollen. Eine konstruktive politische Arbeit stellt sich daher als unmöglich heraus und es kommt wiederum zu Neuwahlen.

Bei den Wahlen am 6.11.1932 bleibt die NSDAP stärkste Partei, auch wenn sie an Stimmen verliert. Am 30.01.1930 ernennt Hindenburg Hitler schließlich zum Reichskanzler. Die ursprüngliche Idee der Nationalkonservativen um Hindenburg ist darauf ausgerichtet, sich einerseits die Unterstützung der Nationalsozialisten zu sichern und sie andererseits gleichzeitig zu kontrollieren.

Hitler, der sich schon innerhalb seiner Partei eine unantastbare Machtposition als „Führer“ gesichert hatte, nutzt die kommenden Wochen und Monate, um eine „völlige Umkehrung der gegenwärtigen innenpolitischen Zustände in Deutschland“[1] herbeizuführen und den „Krebsschaden der Demokratie“[2] auszumerzen. 

Einen Tag später, am 1.Februar 1933, wird der Reichstag wieder aufgelöst und Neuwahlen für den 5. März anberaumt. Erstes Ziel der neuen Regierung ist es, alle Marxisten und Kommunisten aus dem Weg zu räumen. Bereits am 4.2.1933 werden die Versammlungs- und die Pressefreiheit per Notverordnung eingeschränkt.

Im Laufe des Februar wird die Polizei umstrukturiert. Die hohen Polizeipositionen werden mit Nazis besetzt. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) wird gebildet und 50.000 Hilfspolizisten werden rekrutiert. Die neuen Hilfspolizisten stammen aus den extrem gewaltbereiten Schlägergruppen SA, SS und Stahlhelm.

Reichstagsbrand und Gleichschaltung

Am Abend des 27. Februar brennt der Reichstag. Bis heute ist es nicht eindeutig nachgewiesen, wer den Brand gelegt hat. Eine Theorie besagt, dass die Nationalsozialisten das Reichstagsgebäude selbst angezündet haben, um einen Vorwand für die Verordnungen der darauffolgenden Tage zu haben. Doch ist es durchaus auch plausibel, dass der junge kommunistische Niederländer Marinus van der Lubbe, den man im Reichstag festnahm und der sich selbst zu der Brandstiftung bekannte, als Alleintäter handelte.

Auf jeden Fall nutzt die Nazi-Regierung das Ereignis umgehend.  Am Nachmittag des nächsten Tages unterschreibt Reichspräsident Hindenburg die bereits in der Nacht von der Regierungsspitze ausgearbeitete „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“. 

Die sogenannte „Reichstagsbrandverordnung“ setzt eine lange Reihe von Grundrechten außer Kraft, darunter die Freiheit der Person, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die Gewährleistung des Eigentums, die Unverletzbarkeit der Wohnung und das Post- und Telefongeheimnis.

Sie bildet bis ins Jahr 1945 hinein die legale Grundlage für die Verhaftungen durch die Gestapo. Schon bevor die neue Verordnung unterschrieben ist, werden vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten systematisch verhaftet und es kommt zu Folterungen und Mord.

Bei der Wahl am 5. März 1933 erreicht die NSDAP zwar nicht die angestrebte absolute Mehrheit, doch steigt ihr Stimmenanteil auf 43,9 Prozent. Nun beginnt die „Gleichschaltung“ Deutschlands. Die Reichsregierung übernimmt die Macht in den Ländern, indem sie die gewählten Landesregierungen durch nationalsozialistische Reichskommissare bzw. Reichsstatthalter ersetzt.[3] Bereits Anfang ...

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