1933-1939 - Judenverfolgung bis Kriegsausbruch

Rassenhygiene

In den ersten Monaten des Hitler-Regimes sind vor allem die politischen Gegner, d.h. die Kommunisten und Sozialdemokraten, das Ziel der systematischen Verfolgung.  Sie werden zusammengeschlagen, ermordet oder in den ersten Konzentrationslagern interniert. Nun, da alle politischen Gegner ausgeschaltet sind, ist es das nächste Ziel der Nazis, eine „erbgesunde“ und „rassenreine“ Volksgemeinschaft herzustellen.

Im nationalsozialistischen Weltbild ist das Leben ein Kampf, in dem nur der Gesunde und Starke überleben kann. Der Krieg ist daher das höchste Mittel, um ein überlegenes Volk zur Herrschaft zu führen - und nach nationalsozialistischer Auffassung ist das deutsche Volk eine allen anderen überlegene „Herrenrasse“.

Um das „Großgermanische Reich“ zu schaffen, das Hitler vorschwebt, ist es nun das vornehmliche Ziel des Regimes, einerseits die Wehrhaftigkeit und körperliche Gesundheit des deutschen Volkes zu stärken und andererseits alles Kranke, Schwache und Minderwertige zu vernichten. So tritt zum 1.1.1934 das Gesetz zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ in Kraft, das die Zwangssterilisation von sogenannten „Erbkranken“ legalisierte.[1] Auch Homosexuelle und Sinti und Roma werden massiv verfolgt und in Konzentrationslager verschleppt.

Berufsverbot und systematische Diskriminierung

Doch der besondere Hass der Nazis gilt den Juden. „Der Jude“ gehört laut nationalsozialistischer Ideologie einer biologisch minderwertigen Rasse an, die die deutsche Volksgemeinschaft von innen zersetzt.[2] Daher beginnen sie, die Juden aus dem deutschen Arbeits-, Wirtschafts- und Kulturleben zu entfernen und zur Auswanderung zu bewegen. In einer Reihe von Gesetzen werden die Juden ab 1933 nach und nach aus den verschiedenen Berufsgruppen ausgeschlossen – zuerst den akademischen - und verlieren so ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage in Deutschland. 

Am 15.9.1935 werden die sogenannten Nürnberger Gesetze verabschiedet. Das „Reichsbürgergesetz“ räumt nur „Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“ das Recht ein, „Reichsbürger“ zu werden, während die jüdischen Deutschen nur noch als „Staatsangehörige“ bezeichnet werden.

Das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ verbietet die Heirat und jeden außerehelichen Verkehr zwischen „Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“. Eine Liebesbeziehung zwischen einer jüdischen Deutschen und einem nicht-jüdischen Deutschen gilt als „Rassenschande“.[3]

Ab April 1938 müssen diejenigen Juden, die mehr als 5000 Mark besitzen, ihr Vermögen anmelden. Das ist der erste Schritt zur Enteignung aller Juden. Das auf diese Weise erfasste jüdische Eigentum soll nach und nach in Staatsbesitz übergehen und die Aufrüstung bzw. die Kriegsvorbereitungen finanzieren.

Die systematische Diskriminierung und Verfolgung führen zu einer Auswanderungswelle der Juden aus Deutschland, die nicht nur aus rassistischen, sondern auch aus finanziellen Gründen vom Regime bewusst gefördert wird. So wird die „Reichsfluchtsteuer“, die von den Emigranten zu entrichten ist, zu einer wichtigen Einnahmequelle des NS-Staats.

Gewalt und Novemberpo...

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