Der Erzähler

Die jüdischen Nachbarn

Der Icherzähler wird 1925 als erstes Kind seiner Eltern geboren. Die Familie leidet unter der Wirtschaftskrise der 1920er-Jahre, der Vater ist arbeitslos, das Geld reicht nicht für das Nötigste, und sie müssen häufig hungern. Doch trotz der finanziellen Sorgen sind sein Vater und seine Mutter ihm liebevolle Eltern.

Eine Etage über ihnen wohnt das jüdische Ehepaar Schneider mit ihrem Sohn Friedrich, der sein Spielgefährte wird. Als die Jungen vier Jahre alt sind und von der Mutter des Erzählers gebadet werden, bemerkt sie: „Na Fritzchen! Du siehst aus wie ein kleiner Jude!“ (S. 15). Möglicherweise hört der Erzähler das Wort „Jude“ hier zum ersten Mal. Doch während die Mutter dabei lacht, hört er das Wort die nächsten Male in Wut oder Abscheu ausgesprochen. „Willst du wohl meine Rosen in Frieden lassen, du Judenbengel, du!“ (S. 21), hört er Herrn Resch brüllen. Seinen Großvater hört er drohend zischen: „Ich wünsche nicht, dass der Junge mit diesem Judenbuben verkehrt!“ (S. 25)

Doch seine Eltern teilen die antisemitische Haltung des Vermieters und des Großvaters nicht. Friedrich ist bei ihnen genauso willkommen wie der Erzähler bei Schneiders. Als er fünf Jahre alt ist, verbringt er einen Freitagabend bei den Nachbarn und beobachtet staunend, wie Frau Schneider den Sabbat vorbereitet, und lauscht fasziniert den Segenssprüchen und Gebeten in deutscher und hebräischer Sprache.

Mitglied beim Jungvolk

Im Jahr 1933 – der Erzähler ist sieben oder acht Jahre alt – erlebt er, wie die Hetze gegen Juden zunimmt. Auf dem Schulweg sieht er beschmierte Schilder an Arztpraxen und den Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte. Er erlebt, dass sein Freund Friedrich fälschlich beschuldigt wird, ein Ladenfenster eingeschlagen zu haben, um zu stehlen. Alle Beteuerungen des Erzählers, dass er selbst der Schuldige sei, sind vergebens. Für die Ladenbesitzerin und den herbeigerufenen Polizisten ist der „Judenlümmel“ (S. 51) eindeutig der Schuldige.

Obwohl seinen Eltern die Nazi-Ideologie zuwider ist, sind sie doch bereit, wirtschaftlich von den neuen Machthabern zu p...

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