Sprache der Nazis

Der zurückhaltende Stil des Erzählers lässt sich als eine Gegenbewegung zu dem dramatischen Stil der Nazis verstehen. Die Sprache der Nazis wertet und urteilt immer, sie ist auf emotionale Wirkung bzw. Beeinflussung ausgerichtet. Doch ist sie vor allen Dingen aggressiv und hasserfüllt. Die Figuren des Buchs, die die nationalsozialistische Ideologie vertreten (z.B. Herr Resch, der Bademeister, der Sportlehrer oder die Zeitungsfrau)  schreien, brüllen, befehlen und kreischen.[1]

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für den theatralischen, auf Effekt ausgerichteten Nazi-Propagandastil findet sich in dem Kapitel „Die Schlaufe“, in dem ein Sonderbeauftragter, dessen Stimme „unangenehm schrill“ (S.47) klingt, den Kinder mit einer hochwirksamen Gruselgeschichte Angst vor den Juden einflößt:

„Mit einem breiten Messer, so lang wie mein Arm, tritt der Judenpriester neben die arme Kuh. Ganz langsam hebt er das Schächtmesser. Das Tier fühlt den drohenden Tod; es brüllt, es versucht sich loszureißen. Aber der Jude kennt kein Erbarmen. Blitzschnell jagt er dem Tier das breite Messer in den Hals. Das Blut spritzt, es besudelt alles. Das Tier tobt, es hat schreckensstarre Augen. Aber der Jude kennt keine Gnade; er kürzt das Leid nicht ab; er weidet sich am Schmerz des blutenden Tieres; er will das Blut. Und er steht dabei, schaut zu, wie das Tier verblutet und schließlich elend verendet – Das nennt man schächten! – So verlangt es der Gott der Juden!“ (S.48)[2]

Diese Darstellung des rituellen...

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