Hanif Kureishi

Der englisch-pakistanische Autor Hanif Kureishi gilt als einer der originellsten und wichtigsten literarischen Stimmen mit multikulturellem Hintergrund. Mit bitterer Ironie und meisterhaftem literarischen Geschick setzt er sich in seinen Romanen, Drehbüchern und Essays gekonnt mit Brennpunktthemen wie Rassismus, Diskriminierung, Arbeitslosigkeit, aber auch Identitätsfindung und postmodernen Lebensweisen auseinander.

Er wurde 1954 im Londoner Vorort Bromley, als Sohn eines pakistanischen Einwanderers und einer Engländerin, geboren. Bereits in seiner Jugend war das Schreiben eine große Leidenschaft für Kureishi. Zunächst besuchte er jedoch die Technische Hochschule in Bromley und wurde 1972 auch zum Präsidenten der Studentenverbindung gewählt.

Einige der Charaktere seines späteren halb-autobiografischen Romans „The Buddha of Suburbia“ stammen aus dieser Zeit. Nachdem er schließlich die Schule und auch die Fachrichtung wechselte, beendete er sein Philosophiestudium am King’s College in London und begann zunächst eine Karriere als Drehbuchautor und Stadtschreiber am Royal Court Theatre. Nebenbei schrieb er unter anderem auch einige einschlägige pornografische Werke unter den Pseudonymen Antonia French und Karim.

Seinen großen und internationalen Durchbruch erlangte er 1985 mit dem Drehbuch „My beautiful Laundrette“ („Mein wunderbarer Waschsalon”), für welches er sogar eine Oscar-Nominierung für das beste Drehbuch erhielt. Es folgten Drehbücher wie „My Son the Fanatic“ (1997), in welchem er Rassismus innerhalb einer pakistanischen Einwandererfamilie thematisiert und „Venus“ (2006), dessen Hauptdarsteller Peter O’Toole nicht nur für BAFTA und Golden Globe, sondern auch für einen Oscar nominiert wurde. Im Jahr 1990 erhielt er mit seinem ersten Roman „The Buddha of Suburbia“ („Der Buddha aus der Vorstadt“) den begehrten Whitebread Book Award for Best First Novel.

In diesem Buch erzählt Kureishi die Geschichte eines bisexuellen jungen Anglo-Asiaten, der in einem London der 70er aufwächst. Auch in seinen weiteren Werken fallen immer wieder Parallelen zu seinem Privatleben auf, so zum Beispiel in seinem Roman „Intimacy“ (1998), in dem ein Mann seine Frau und seine beiden Söhne verlässt, nachdem er von seiner Frau emotionale sowie körperliche Zurückweisung erfährt. Kurz vor Erscheinung des Buches, verlies Kureishi seine damalige Frau und seine beiden jungen Söhne.

Die Filmadaption „Intimacy“ des Franzosen Patrice Chéreau wurde während der Berliner Filmfestspiele 2001 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Roger Michells Film „The Mother“, der auf Kureishis gleichnamigen Drama basiert belegte auf dem Filmfestival in Cannes (Director’s Fortnight) den ersten Platz. 2009 wurde er in die Jury des 62. Filmfestivals von Cannes berufen. In 2008 wurde von der britischen Tageszeitung „The Times“ in die Liste der „50 besten britischen Schriftsteller seit 1945“ aufgenommen.

Kureishi lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in West London und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Seine Familie, speziell seine Schwester hat sich mehrfach öffentlich von Kureishi und seinen halb-autobiografischen Werken distanziert und auch sein Vater tat seinem Unmut über Kureishis Veröffentlichungen kund.