Entstehung, Rezeption und Kritik

Günther Grass schreibt „Im Krebsgang“ ungefähr im Laufe von neun Monaten. Er beginnt die Arbeit an dem Buch im Februar 2001, und die Novelle wird 2002 veröffentlicht. Der Schriftsteller lässt in der Erzählung einige Figuren, die aus der „Danziger Trilogie“ bereits bekannt sind, wieder auftreten: Tulla Pokriefke als eine der Hauptfiguren, aber auch ihr Cousin Harry Liebenau (S. 20), Walter Matern (S. 21), der Jude Eddie Amsel (S. 106) und Tullas Freundin Jenny Brunnies (S. 109) erscheinen als Randfiguren, hauptsächlich in Tullas Erzählungen. Die „Danziger Trilogie“ umfasst die Werke „Die Blechtrommel“, „Katz und Maus“ und „Hundejahre“. Im Mittelpunkt der Novelle „Im Krebsgang“ steht die Figur Tulla Pokriefke, die in der Gegenwart der Geschichte bereits siebzig Jahre alt ist. Als junges Mädchen und als junge Frau trat sie bereits in den beiden letztgenannten Werken der Trilogie auf.

Der Verfasser muss viel recherchieren, um die historischen Begebenheiten beschreiben zu können, da er sich mit einem komplizierten Teil der deutschen Geschichte beschäftigt, der seit Jahrzehnten in den Hintergrund gerückt war.

Als die Novelle erscheint, ist das Interesse der Leser besonders aufgrund der Thematik groß. Das Buch wird schnell zum Bestseller. Die zeitgenössischen Rezensenten äußern sich sehr positiv. Sie berichten, dass Grass mit der Verarbeitung dieser Thematik einen Tabubruch vollzogen habe. Die Beschäftigung mit dem Leid, das viele Deutsche Ende des Zweiten Weltkrieges erfahren mussten, erschien angesichts der „eigenen“ Verbrechen bin dahin vielleicht nicht politisch korrekt oder gerechtfertigt genug. Grass bricht mit „Im Krebsgang“ jedoch dieses langjährige Schweigen, das aus Schuld und Scham entstanden war.

Der Spiegel titelt mit: „Die verdrängte Tragödie des Flüchtlingsschiffes Wilhelm Gustloff“[1]. Die Aufarbeitung der Verbrechen der Nationalsozialisten an der Menschheit stehe Anfang des dritten Jahrtausends immer noch im Vordergrund in Deutschland. Diese Geschichte, die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten, sei jedoch beinahe verdrängt worden, vielleicht weil bei dieser Katastrophe hauptsächlich Frauen und Kinder, deutsche Flüchtlinge, die Opfer waren.

Die Novelle wird gelobt, sie seiglänzend und packend geschrieben“. Sie wird als eines ...

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