Rezension

Günter Grass „Die Blechtrommel“ erzählt in drei Büchern die Geschichte der Figur Oskar Matzerath, der mit drei Jahren und aus Protest gegen die Welt der Erwachsenen sein Wachstum einstellt. Aus der Perspektive des Kleinwüchsigen beobachtet Oskar die Verlogenheit der Erwachsenenwelt. Und statt sich den Pflichten eines Erwachsenen zu stellen, trommelt Oskar auf seiner Blechtrommel und benutzt seine Stimme, die er als künstlerische Gabe ansieht, um Glas zerspringen zu lassen.

Insgesamt umspannt der Roman die Geschichte von Oskar und seiner Familie, angefangen bei der Geburt seiner Mutter im Jahr 1899, bis hin zu der Zeit nach dem Ende des Nationalsozialismus. Dabei erzählt der Roman nicht nur die Geschichte der Familie Matzerath, sondern schafft es auch, alle wichtigen historischen Ereignisse vom Ersten Weltkrieg, über den Nationalsozialismus, bis hin zur Nachkriegszeit mit der Geschichte der Matzeraths zu verknüpfen.

An dem Roman ist die literarische Meisterschaft zu erkennen, die Günter Grass ohne Zweifel auszeichnet. So wird die Geschichte nicht etwa einfach aus der Perspektive Oskars erzählt, sondern es wird mit einer komplexen Erzählperspektive operiert, die Oskar als Ich-Erzähler und als Erzähler in der dritten Person einsetzt und darüber hinaus Günter Grass selbst als Erzähler in den Text einbringt.

Die Trommel Oskars avanciert zu dem Bild des Romans, durch das die Zustände in der Gesellschaft kritisiert werden sollen, bedingt durch die Distanz des kleinwüchsigen Oskars zur Welt der Erwachsenen. Die Abenteuer, die Oskar erlebt, erinnern stark an die Tradition des Schelmenromans, gleichzeitig ist „Die Blechtrommel“ höchst satirisch geschrieben, etwa dann, wenn die Satire den bösartigen und alltäglichen Faschismus im Dritten Reich seziert.

Dabei ist der Stil von Günter Grass überaus variabel. Das Buch ist zugleich witzig, ernst, satirisch überhöht, skurril und poetisch. Grass bedient sich einer klaren Sprache, die nicht davor zurückschreckt, auch widerliche und explizite Szenen genauestens zu beschreiben, was dem Autor sogar den Vorwurf der Obszönität eingebracht hat.

Letztlich ist „Die Blechtrommel“ aber ein monumentales Werk, das ein klares Bekenntnis enthält – das Bekenntnis gegen die Verdrängung der NS-Verbrechen und auch die Forderung, dass ein jeder Mensch Verantwortung für sein Handeln und Denken übernehmen soll.