Filmrezension

Die Verfilmung von Grass’ „Die Blechtrommel“ durch Volker Schlöndorff im Jahr 1979 ist insofern etwas Besonderes, als dass es sich hierbei nicht nur um eine autorisierte Fassung handelt, wie es bei der Verfilmung von Büchern noch lebender Autoren üblich ist, sondern dass Günter Grass selbst an den Dreharbeiten, dem Schnitt und der Rollenbesprechung mit den Schauspielern beteiligt war. Wir haben es also im eigentlichsten Sinne mit einem Autorenfilm zu tun. Dadurch war der Autor dazu gezwungen, sich noch einmal und ganz anders mit dem Werk auseinanderzusetzen. Die so entstandene, filmische Interpretation kann durch die Beteiligung von Grass somit als eine Ergänzung oder Bestätigung der bestehenden Interpretationen des literarischen Werkes qualifiziert werden und ist ebenso viel wert wie die Selbstzeugnisse des Autors, wenngleich Grass Äußerungen zu den Auslegungen seines Werkes stets ablehnte.

Als Erzähler tritt im Film Oskar Matzerath auf. Es gibt keine andere Erzählinstanz und Oskar erzählt nicht als Insasse einer Heilanstalt. Um den Eindruck zu vermitteln, dass der Film die subjektive Sicht Oskars bietet, hatte Schlöndorff kurzzeitig erwogen, alles aus Oskars Perspektive zu drehen, aus etwa 90 cm Höhe. Dieser Plan wurde zugunsten des Splits zwischen erlebendem und erzählendem Ich aufgegeben. Tritt Oskar als Erzähler aus dem Off auf, spricht er von sich in der dritten Person, ansonsten äußert er sich in der ersten Person. Somit wird auch klar gemacht, dass es sich bei dem Film nicht um objektive Geschichtsschreibung handelt, und die geschichtlichen Ereignisse haben im Film alle nicht nur ihren Platz, sondern auch einen subjektiven Standpunkt.

Die Bilder des Filmes wirken gleichzeitig realistisch und ins Unwirkliche entrückt. Ihnen haftet zusammen mit dem Spiel der Schauspieler ein Moment der Überhöhung an. Damit leistet der Film, was Grass selbst in seinem literarischen Werk anstrebte, nämlich das Reale um die Ebene des Fantastischen zu erweitern. Gerade dies schafft der Film mit seiner eigentümlichen Ästhetik, die auch durch die Filmmusik getragen wird, die das Changieren zwischen Realem und scheinbar Unwirklichem aufs Beste unterstreicht.