Oskar

Die Weigerung, erwachsen zu werden

Osker Matzerath ist die Hauptfigur und der Erzähler des Romans und er begegnet uns auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Zum einen ist er die Hauptfigur seines eigenen Lebensberichts. Diese Handlungsebene zeigt uns Oskar im Zeitraum von 1899 bis 1954. Zum anderen begegnet er uns in der Figur des „Insasse[n] einer Heil- und Pflegeanstalt“ (S.9) beim Verfassen seines Lebensberichts von 1952 bis 1954.

Oskar entzieht sich der Erwachsenenwelt, indem er im Alter von 3 Jahren beschließt, nicht mehr wachsen zu wollen: „Fortan hieß es: an seinem dritten Geburtstag stürzte unser kleiner Oskar die Kellertreppe hinunter, blieb zwar sonst beieinander, nur wachsen wollte er nicht mehr“ (S. 75). Er beschließt, „auf keinen Fall Politiker und schon gar nicht Kolonialwarenhändler zu werden, vielmehr einen Punkt zu machen, so zu verbleiben” (S.71).

Auf diese Weise kann er den Schutz des Kindseins für sich in Anspruch nehmen. Oskars fehlendes Wachstum bringt er selbst auch mit der Tatsache in Verbindung, dass er bereits voll entwickelt ist: „Ich gehöre zu den hellhörigen Säuglingen, deren geistige Entwicklung schon bei der Geburt abgeschlossen ist und sich fortan nur noch bestätigen muß“ (S.52). Es ist nicht ganz klar, ob Jan Bronski oder Alfred Matzerath Oskars Vater ist, daher gibt Oskar sich selbst verschiedene Namen: Er nennt sich Oskar und mit dem Familiennamen „vorzugsweise Koljaiczek“, den Namen „Matzerath“ trägt er nur „aus Demut“, nur selten nennt er sich nach dem Nachnamen Jans  „Oskar Bronski“ (S.662).

Freilich ist es völlig unwahrscheinlich, dass ein Dreijähriger geistig bereits voll entwickelt ist. Dieser Kunstgriff seitens des Autors ermöglicht es aber, dass Oskar als Erzähler von Anfang an die Handlung schildern kann. Gleichzeitig bringt er sich damit in die Gefahr, aufgrund seiner Kleinwüchsigkeit unter die Rassengesetze der Nationalsozialisten zu fallen und getötet zu werden, obwohl er eigentlich, dem Ideal der Nazis entsprechend, blaue Augen ([…] mich, den Blauäugigen[…]“, S.9) wie sein Vater Jan Bronski hat, der über „selbstbewußte[] blaue[] Schwärmeraugen“ (S.177) verfügt. Oskar ist, nachdem er sein Wachstum eingestellt hat, „vierundneunzig“ (u.a. S.392, 431, 572) Zentimeter groß. Die Verweigerung der Figur, weiterzuwachsen, kann auch im politischen ...

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