Haar und Verlust

Die Gemeinsamkeiten der Strahlenkranken als Gruppe, auch über den Unfall in Grafenrheinfeld hinaus, werden im Text immer wieder betont. Vor allen Dingen Almut vergleicht sich und ihre Leidensgenossen in dieser Hinsicht vehement mit den Opfern von Hiroshima, Nagasaki und Tschernobyl als „die Aussätzigen des zwanzigsten Jahrhunderts“ (S. 150). Was die Schwerkranken jedoch auch äußerlich verbindet (und in dieser Hinsicht stark mit dem Bild der KZ-Häftlinge zusammenhängt), ist die Kahlköpfigkeit. Im Laufe der Handlung sind Janna-Berta, Ayse und Elmar hier die drei prominentesten Betroffenen. Während der Verlust des Kopfhaars an sich bei Elmar jedoch nicht thematisiert wird, ist bei den beiden Mädchen genau das Gegenteil der Fall:

Als es bei Ayse zum Haarausfall kommt, beginnt sie „hysterisch zu schreien“ (S. 105). Und auch Janna-Berta, deren „langes, helles Haar“ (S. 70) zu Beginn noch im Fahrradfahrtwind „flattert“ (S. 70), macht sich Sorgen um ihr Erscheinungsbild: „Ein Mädchen mit Glatze – das wirkte nicht mitleiderregend, sondern komisch“, (S. 105), findet sie und fragt den Pfleger Tünnes: „Glaubst du, dass ein Junge sich in ein Mädchen mit Glatze verlieben kann?“, (S. 109). Konsequenterweise vermeidet Janna-Berta zunächst jegliche Berührung ihres Haupthaares, sogar liebevoll gemeinte Gesten ihrer Mitmenschen. Als Ayse ihr ins ausfallende Haar greift und damit Janna-Bertas fruchtlose Versuche zunichtemacht, ihre restlichen Strähnen vor dem Ausfall zu bewahren, schlägt Janna-Berta ihr „ins Gesicht“ (S. 110) und redet danach bis zu Ayses Tod nicht mehr mit ihr.

Den H...

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