Aufbau

Das Ideendrama ist klassisch strukturiert. Es besteht aus fünf Akten: Einleitung, Entwicklung, Peripetie, fallende Handlung und Lösung. Dieses dramatische Gedicht ist weder ein echtes Drama noch eine Komödie, sondern eine märchenhafte Geschichte, die eine moralische, religiöse und ethische Botschaft enthält.

Die aristotelische Regel der drei Einheiten (der Handlung, des Handlungsortes und der Zeit) ist weitgehend erfüllt. Das Geschehen findet an verschiedenen Schauplätzen in Jerusalem statt. Die Geschichte ereignet sich vermutlich an einem Tag, an dem sich die Episoden ohne Pause abspielen. Die Einheit der Handlung ist respektiert, abgesehen von der Einführung der Ringparabel, die präzise in der Mitte des Stückes eingebaut ist.

1. Akt - Exposition 

Der erste Aufzug stellt die Exposition und die Einleitung des Dramas dar. Er führt in die Lebenswelt der wichtigen Figuren des Dramas ein und präsentiert den historischen Kontext und die Konfliktthemen.

Nathan, ein wohlhabender jüdischer Geschäftsmann, kommt von einer Reise zurück. Er erfährt, dass seine Tochter Recha von einem Tempelherrn aus einem brennenden Haus gerettet wurde. Recha glorifiziert den Tempelherrn, der kurz zuvor von Sultan Saladin begnadigt wurde, weil er den Sultan an seinen verschollenen Bruder erinnert. Der Leser erfährt indirekt, dass Recha nicht Nathans leibliche Tochter ist.

Nathan bekommt Besuch von seinem Freund und Schachpartner, dem Derwisch Al-Hafi. Er habe eine Stellung als Schatzmeister des Sultans Saladin angenommen, berichtet er. Saladins Kassen sind leer, und so hofft Al-Hafi, von Nathan Geld leihen zu können.

Unterdessen bekommt der Tempelherr vom Patriarchen, dem Oberhaupt der Christen in Jerusalem, den Auftrag, Saladin auszuspionieren und umzubringen. Der Tempelherr weist den Auftrag empört zurück mit der Erklärung, dass er dem Sultan sein Leben schulde.

Nathan will den Tempelherrn zu sich einladen, um ihm persönlich seine Dankbarkeit zu zeigen. Dieser schlägt die Bitte jedoch mit der Begründung aus, dass er keine Verbindung zu einem Juden herstellen möchte.

Die Verachtung der Juden durch den Tempelherrn, die Schwärmerei Rechas für den Tempelherrn, die finanzielle Not des Sultans, die mörderischen Pläne des Patriarchen und das Geheimnis über die Herkunft von Nathans Pflegetochter sind damit als Konfliktpunkte angedeutet.

2. Akt - Steigende Handlung

Der zweite Aufzug stellt die steigende Handlung vor. Die Themen des ersten Aktes werden weiter entfaltet und die Handlungsfäden verknüpft. Neue Motive sorgen für Überraschung und eine spannende Entwicklung der Geschichte.

Saladin erzählt seiner Schwester Sittah seine Pläne von einer Doppelhochzeit, um den Frieden mit den Christen zu sichern. Um die desolate finanzielle Situation zu verbessern, fordert Saladin seinen Schatzmeister Al-Hafi auf, Geld von dem reichen Juden Nathan zu borgen. Al-Hafi bezweifelt, dass Nathan bereit sein wird, Saladin Geld zu leihen.

Im Gespräch zwischen Nathan und Recha wird klar, dass Recha in den Tempelherrn verliebt ist. Daraufhin kommt es zum Treffen zwischen Nathan und dem Tempelherrn. Blick und Gang des Tempelherrn erinnern Nathan an jemanden, doch weiß er nicht, an wen. Erst will der Tempelherr von Nathan nichts wissen – er sei ja „nur“ ein Jude. Dann gibt er vor, nur aus Pflichtgefühl Recha gerettet zu haben. Doch Nathans aufrichtige Dankbarkeit rührt ihn. Außerdem erkennen Nathan und der Tempelherr, dass sie ein gemeinsames Menschenbild teilen, in dem religiöse Zugehörigkeit keine Rolle spielt. Daraufhin schließen Nathan und der Tempelherr Freundschaft. Als der Tempelherr seinen Namen „Curd von Stauffen“ nennt, erinnert sich Nathan an Wolf von Filnek, dem der Tempelherr ähne...

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