Rezension

Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti“ aus dem Jahr 1772 ist neben seinem Stück „Miss Sara Sampson“ (1755) ein wichtiges Werk der deutschen Aufklärung, vor allem in Bezug auf die durch Lessing geprägte neue Auffassung des Theaters.

Lessing lenkt den Blick in „Emilia Galotti“ auf ein sich emanzipierendes Bürgertum und stellt ebendies in den Mittelpunkt seines Dramas. Seine neue Interpretation der Theaterpoetik von Aristoteles, aus welcher sein Entwurf über das bürgerliche Trauerspiel entsteht, setzt er in „Emilia Galotti“ um. Er fordert einen neuen Blickwinkel auf das zeitgenössische Theatergeschehen und die bürgerliche Gesellschaft. Er ruft zu einem neuen Selbstverständnis des Bürgertums auf und wirft in „Emilia Galotti“ Fragen nach Autonomie, Moral, Schuld und gesellschaftlichen Ordnungen auf. All diese Impulse treffen das zuschauende (und lesende) Publikum und sollen von diesem verarbeitet werden.

Dabei bleibt die Handlung des Stückes stets übersichtlich und klar strukturiert. Sie überfordert den Rezipienten nicht durch Verworrenheit, sondern lenkt seinen Fokus auf die Themen, die in der Zeit der Aufklärung aufkamen, und besonders auf die bürgerlichen Protagonisten, welche sich in einer Zeit des Umbruchs zurechtfinden und neu positionieren mussten. In dem tragischen Ende taucht neben der moralischen Botschaft ein zeitloses, stets aktuelles Motiv auf: Der Vater opfert sein Leben für seine Tochter.