Rezension

Romeo und Julia auf dem Dorfe ist eine der berühmtesten Novellen aus Gottfried Kellers Novellenzyklus „Die Leute von Seldwyla“ und zugleich eine der bekanntesten Erzählungen des Poetischen Realismus. Ihre Besonderheit besteht vor allem darin, dass  der Schriftsteller auf einen berühmten Stoff der Weltliteratur zurückgreift, ihn aktualisiert und auf die Begebenheiten seiner Zeit überträgt.

Das aus Shakespeares Drama „Romeo und Julia“ bekannte tragische Motiv zweier Liebender, die aus verfeindeten Familien stammen und angesichts ihrer hoffnungslosen Situation in der Selbsttötung den einzigen Ausweg sehen, übernimmt Gottfried Keller. Gleichzeitig verlegt der Autor die Handlung in das dörfliche Milieu des 19. Jahrhunderts und verbindet den zentralen Konflikt der Liebenden mit den gesellschaftlichen Umwälzungsprozessen seiner Zeit. Er bringt auf diese Weise den tragischen Zwiespalt zwischen Individuum und Umwelt und die selbstverschuldete Tragik der bürgerlichen Gesellschaft auf realistische Weise zum Ausdruck.

Die Verbindung zwischen der zeitlosen Thematik und der Anpassung an die zeitgeschichtliche Realität macht den zentralen Reiz dieser Novelle aus. Zu ihrer ungebrochenen Aktualität trägt diesbezüglich auch die Tatsache bei, dass sich Keller hier mit den grundsätzlichen Problemen des Menschen auseinandersetzt und mit großem Einfühlungsvermögen die Stärken und Schwächen seiner Figuren offenlegt. Besonders die mit viel Empathie geschilderte Liebesgeschichte zwischen Vren...

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