Interpretation

Unsere umfassende Interpretation Gottfrieds Kellers Novelle Romeo und Julia auf dem Dorfe beschäftigt sich mit den wichtigsten Themen der Erzählung. Zuerst wird das Motiv des Neids zwischen den beiden Bauern Manz und Marti ausführlich untersucht: Ihr Habgier und wachsender Konkurrenzkampf resultieren im Landraub. Ihre Eifersucht und Missgunst provozieren zuletzt ihre gegenseitige Zerstörung. Das Thema Unrecht und Ehre wird nachfolgend untersucht.

Die Frage der Schuld betrifft nicht nur die Väter, sondern auch ihre Kinder, Sali und Vreni, die sich lieben: Wie entwickeln sich die Feindschaft und die Liebe zwischen den beiden  Jugendlichen? Auch eine Antwort auf diese Frage wird gesucht. Der Autor der Novelle steht der feindlichen zeitgenössischen Gesellschaft sehr kritisch gegenüber:  Die soziale Vereinsamung der beiden Bauern, die Unmenschlichkeit und Mitleidslosigkeit der Gesellschaft und Vrenis und Salis Außenseitertum werden leicht verständlich erklärt.

Darüber hinaus wird die Problematik des Liebestods näher in den Blick genommen und diskutiert:  Der kurze Sieg der Liebe zwischen Sali und Vreni scheitert und führt zu dem gemeinsamen Entschluss, Freitod zu begehen. Abgerundet wird die Interpretation schließlich durch eine summarische Darstellung des Menschenbildes von Gottfried Keller, das in der Novelle vor allem in der Hinwendung zu Diesseitigkeit und natürlicher Sinnlichkeit deutlich wird und darüber hinaus zu einer zumindest indirekten Kritik an den strengen Tugend- und Moralvorstellungen seiner Zeit führt.